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Nobelpreisträger Professor Dr. Peter A. Grünberg wird Ehrenbürger der Stadt Jülich

Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Herrn Professor Dr. Peter Andreas Grünberg

Festsitzung des Stadtrates am 25.04.2008, 19.00 Uhr, PZ, Zitadelle

Laudatio
Bürgermeister Heinrich Stommel


Sehr geehrte Damen und Herren,

zur Festsitzung des Stadtrates anlässlich der Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Herrn Professor Dr. Grünberg begrüße ich Sie alle hier im Pädagogischen Zentrum unseres Gymnasiums in der Zitadelle Jülich. Damit ist sichergestellt, dass ich im Rahmen der Begrüßung niemanden in der großen Zahl der Gäste vergessen habe. Aus gegebenem Anlass möchte ich nun noch einige Anwesende persönlich begrüßen.

So gilt mein besonderer Gruß zu aller erst der Hauptperson des heutigen Abends. Ich begrüße
- den Nobelpreisträger
- den weltweit bekanntesten Wissenschaftler unseres Forschungszentrums
- und zugleich einen außerordentlich sympathischen Bürger unserer Stadt

ich begrüße herzlich Herrn Professor Dr. Peter Andreas Grünberg.

Ich begrüße sehr herzlich die Familie, an der Spitze Ehefrau Helma Grünberg und die Kinder.

Ich begrüße die Damen und Herren des Rates.

Mein besonderer Gruß gilt dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung und Bildung, der später noch zu Wort kommen wird, unserem Bundestagsabgeordneten Herrn Thomas Rachel.

Ich begrüße herzlich den Vorstandsvorsitzenden des Forschungszentrums Jülich, der später ebenfalls noch ein Grußwort an uns richten wird, ich begrüße Herrn Professor Dr. Bachem.

Es freut mich, dass der Kreis Düren sehr charmant vertreten ist - ich begrüße die stellvertretende Landrätin Frau Contzen.

Ich begrüße herzlich die anwesenden Trägerinnen und Träger des Ehrenringes und der Ehrenmedaille der Stadt Jülich.

Verehrte Gäste,

das Ehrenbürgerrecht der Stadt Jülich wurde zuletzt 1962 an den damaligen Landtagspräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen und Landrat des Kreises Jülich, Herrn Wilhelm Johnen verliehen. Ihm ist es unter anderem zu verdanken, dass die damalige Kernforschungsanlage - unser heutiges Forschungszentrum - nach Jülich kam.

Zuvor war im Jahr 1897 an Professor Dr. Josef Kuhl, im Jahr 1917 an General der Infanterie Hermann von Kuhl und im Jahr 1930 an Bürgermeister Wilhelm Vogt die Ehrenbürgerschaft wegen Ihrer herausragenden Leistungen verliehen worden.

In seiner Sitzung am 13. Dezember 2007 hat der Rat der Stadt Jülich einstimmig beschlossen, Herrn Professor Dr. Peter Andreas Grünberg das Ehrenbürgerrecht als fünftem Bürger in der Geschichte unserer Stadt zu verleihen.

Dank seiner überragenden wissenschaftlichen Leistung wurde Herrn Professor Grünberg 2007 der bedeutendste Wissenschaftspreis der Welt, der Nobelpreis, verliehen. Die Auszeichnung mit dem Physiknobelpreis führte im vergangenen Jahr dazu, dass auch der Name Jülich für kurze Zeit im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit stand. Dieser Preis steht der Stadt Jülich nobel zu Gesicht - und das verdanken wir Ihnen, lieber Herr Professor Grünberg. Ihr Name ist seither in aller Welt ein Begriff und auch in Jülich freuen sich wohl alle mit Ihnen.

Die moderne Forschungsstadt Jülich hat seither ein Gesicht - Ihr Gesicht!

Als Bürgermeister ist es nun an mir, Ihnen, verehrte Gäste, den Menschen, den Familienvater, den Physiker und Nobelpreisträger, also unseren Ehrenbürger Professor Dr. Peter Grünberg etwas näher zu bringen.

Der Mensch Professor Peter Grünberg ist in Jülich - auch unabhängig von seinen wissenschaftlichen Arbeiten - vielerorts bekannt. So ist das eben, wenn man seit 36 Jahren in einer Stadt unserer Größenordnung wohnt, oder darf ich sagen "zuhause ist"?

Wohin ihn das Schicksal einmal verschlagen würde, konnte zu Beginn seines Lebens niemand ahnen. Peter Grünberg wurde im Mai 1939 in Pilsen, das heute zu Tschechien gehört, geboren. Gerade einmal sechs Jahre alt, musste er im Jahr 1946 mit seiner Mutter ins hessische Lauterbach aussiedeln. Trotz - oder vielleicht gerade wegen - der schwierigen Startbedingungen kam Peter Grünberg in der Schule gut voran. Er besuchte das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Lauterbach, wo sein damaliger Physiklehrer sein Interesse für Naturwissenschaften weckte. Peter Grünberg hatte die Frage nach der Planetenbewegung gestellt und eine präzise Antwort erhalten. Das war - wenn man so will - der Anfang einer beachtlichen naturwissenschaftlichen Karriere. An dieser Schule machte er im Jahr 1959 sein Abitur.

Zum Studium ging er zunächst nach Frankfurt am Main und wechselte dann nach Darmstadt. Im Jahr 1966 erhielt er sein Diplom und im gleichen Jahr heiratete er seine Frau Helma. Nach seiner Promotion 1969 zogen Sie dann gemeinsam nach Ottawa, Kanada. 1972 kam Peter Grünberg dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Institut für Festkörperforschung im Forschungszentrum Jülich. So sind Professor Grünberg und seine Frau also seit 36 Jahren Jülicher.

In Jülich wuchs die Familie stetig. Auf Sohn Andreas folgte Tochter Sylvia und 1981 kam Katharina als jüngstes Kind hier zur Welt. Das Jülicher Nordviertel ist ein guter Platz, um Kinder groß zu ziehen. Man kennt sich, die Familien helfen sich gegenseitig.

Doch gute Wissenschaftler sind in der ganzen Welt gefragt. So zieht im Jahr 1984 die ganze Familie für einen einjährigen Forschungsaufenthalt nach Chicago in die USA. Die Verbindungen in Jülich sind in den vorausgegangenen Jahren so stark geworden, dass die Familie Ihr Haus in Jülich dafür nicht aufgeben muss. Die Nachbarn hüten es gerne und erwarten mit Freude die Rückkehr der Grünbergs. Wie stark gerade die Verbindungen in dieser Nachbarschaft sind, sieht man auch daran, dass eben diese Nachbarn heute Abend hier sind, um mit "Ihrem Peter" zu feiern. Auch Ihnen gilt mein besonderer Willkommensgruß.

Nach der Rückkehr aus Amerika werden die Grünbergs mehr als einmal gefragt, wo sie denn jetzt hinziehen. Nach Aachen oder vielleicht nach Köln? Gerade diese Fragen machen der Familie bewusst: "Hier in Jülich sind wir zuhause!". Das freut mich als Bürgermeister dieser Stadt natürlich ganz besonders.

Wurde in den Anfängen das Forschungszentrum als "et Atom" noch sehr kritisch betrachtet, erkannten die Menschen in unserer Stadt immer mehr, wie wichtig das Forschungszentrum für die Entwicklung Jülichs ist. Viele neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Forschungszentrums kamen in unsere Stadt, um hier zu arbeiten und mit ihren Familien zu wohnen. Aber auch viele Menschen, die seit eh und je in Jülich wohnten, fanden Arbeit im Forschungszentrum. Aus einer Art geduldeter Nachbarschaft wurde ein Miteinander. Als die Stadt Jülich sich im Jahr 1999 ein neues Logo gab, wurde die "Moderne Forschungsstadt" teil des Slogans. Heute ist Sie Teil des eigenen Selbstverständnisses und das Forschungszentrum wie auch die Fachhochschule sind wesentliche Pfeiler unserer Stadt.

Doch auch die stärkste Verbundenheit hält einen Wissenschaftler nicht ständig zuhause. 1998 geht Professor Grünberg für einen halbjährigen Forschungsaufenthalt an die Universität von Sendai und in das Forschungszentrum Tsukuba in Japan. Natürlich kommt seine Frau Helma mit und auch die jüngste Tochter, damals 17 Jahre alt, begleitet ihn. Auch nach diesem Ausflug in die weite Welt kommt die Familie gerne zurück nach Jülich.

Helma Grünberg engagiert sich nach Ihrer Rückkehr aus Japan sehr stark im Internationalen Club des Forschungszentrums Jülich. Von 1999 bis 2003 ist sie die temperamentvolle und einfallsreiche 1.Vorsitzende. Beim Sommerfest sind meine Frau und ich alljährlich als Gäste eingeladen und so lernen wir in jenen Jahren das Ehepaar Grünberg kennen. Beeindruckt von der Gastfreundschaft und Unterstützung, die Sie in Japan von Kollegen erfahren haben, hilft Frau Grünberg durch die Arbeit des Internationales Clubs hier in Jülich Gastfamilien dabei, sich in dieser fremden Umgebung und unbekannten Kultur zurechtzufinden. Der Internationale Club gibt Information und Hilfe bei Alltagsproblemen, bei regelmäßigen Treffen werden Kultur und Kulinarisches ausgetauscht. Literaturkreise, Wanderungen, Ausflugsfahrten gemeinsame Feste, dies alles erleichtert den Gästen des Forschungszentrums das Leben in unserer Stadt. Auch heute noch ist Helma Grünberg im Internationalen Club, insbesondere im Literaturkreis aktiv.

Nicht nur auf langen Auslandsaufenthalten hat die Familie Professor Peter Grünberg begleitet. Auch das Urlaubsziel für die Schulferien wurde oft durch seine Arbeit bestimmt. Tagungen und Kongresse fanden häufig in der Ferienzeit statt. Die Familie wollte aber nicht ganz auf den Papa verzichten. So wurde aus der Not eine Tugend gemacht. Papa fuhr zum Kongress und Mama mit den Kindern auf einen Campingplatz in der Nähe. So konnte Papa wenigstens schnell nachkommen.

Professor Grünberg ist ein geselliger Mensch und verbringt gerne Zeit mit Freunden und Bekannten. Gesellige Stunden in der Nachbarschaft sind ein wesentlicher Punkt im Leben der Familie Grünberg. Dass er ausgerechnet in der Einsteinstraße wohnt, ist ein purer Zufall. Eine passendere Straße hätte er aus heutiger Sicht in Jülich nicht finden können.

Trotz des großen Erfolges ist die Familie ihrem "ganz normalen kleinen Haus" treu geblieben. Das liegt nicht unbedingt am Haus. Etwas größer, das eine oder andere etwas verändert, moderner, es gäbe sicher interessante Alternativen. Aber die Nachbarschaft, die gibt die Familie Grünberg dafür nicht her.

Auch Sport wird bei Professor Grünberg groß geschrieben. In jungen Jahren war er im Turnverein bei Turnen und Leichtathletik aktiv. Heute spielt er gerne Tennis und Tischtennis. Es soll ja neue Mitspieler geben, die sich erstmal gar nicht trauen, gegen den Nobelpreisträger zu spielen, sie könnten ja gewinnen - und dann? Aber sie haben schnell gemerkt, zum Tischtennis kommt nicht der Nobelpreisträger, da kommt der Peter.

Inzwischen hat er das Golfspielen für sich entdeckt. Gerne verbringt er seine Zeit damit, den kleinen weißen Ball über weites Grün zu spielen. Manchmal denkt er darüber nach, wie er den GMR-Effekt für diesen Sport nutzbar machen könnte. Wer weiß, was wir in den nächsten Jahren diesbezüglich noch von ihm hören werden. Spätestens wenn Tiger Woods in Jülich gesichtet werden sollte, dürfte klar sein, dass diesbezüglich etwas Konkretes in Arbeit ist.

Seine tägliche Portion Sport treibt Professor Grünberg unter anderem auf dem Weg ins Forschungszentrum, den er bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zurücklegt. "Da kommt Professor Grünberg auf seiner Gazelle" hört man dann manchen sagen.

Wenn man plötzlich im Rampenlicht steht, muss man nicht nur seine wissenschaftlichen Entdeckungen in zahllosen Interviews immer wieder erläutern, man muss auch seine Hobbies aktivieren! Da wird schon mal ein Kameramann in den Kofferraum eines PKW´s gezwängt, um den radelnden Nobelpreisträger besser filmen zu können. Im Radio kann man solche Bilder nicht brauchen. Da trifft es sich dann gut, wenn der Nobelpreisträger sehr gut Gitarre spielen kann, weil er das vor Jahren intensiv betrieben hat.

Mehr als 40 Jahre sind Helma und Peter Grünberg nun schon verheiratet. Seit 36 Jahren leben Sie hier in Jülich. Helma Grünberg war und ist die starke Frau hinter dem berühmten Wissenschaftler Professor Grünberg. Sie, liebe Frau Grünberg, haben Ihren Beruf aufgegeben, um drei Kinder großzuziehen. Die Zahl der Kinder hat sich weiter erhöht, um Schwieger- und Enkelkinder.

Sie sind mit Ihrem Mann in die Welt hinausgezogen, um ihm Forschungsaufenthalte zu ermöglichen. Wie wichtig das für die Familie war, ist Ihrem Mann sehr wohl bewusst. Heute genießen Sie gemeinsam die Früchte jahrelanger Arbeit und selbstverständlich sind Sie als unverzichtbare Begleiterin an seiner Seite, wenn "der Nobelpreisträger" auftritt.

Der Physiker Professor Grünberg begann 1959 sein Physikstudium an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Dann wechselte er an die Technische Hochschule Darmstadt, wo er sein Studium fortsetzte und im Jahr 1966 sein Diplom erhielt. Schon in dieser Zeit wurde ihm scherzhaft prophezeit, dass er eines Tages den Nobelpreis gewinnen würde.

Als er an der Technischen Hochschule Darmstadt einmal zu besonders früher Stunde erschien, sagte sein damaliger Chef, Professor Hellwege, zu ihm: "Hallo Herr Grünberg, so früh schon auf den Beinen? Das sind die künftigen Nobelpreisträger!" Wie er vor kurzem in einem Gespräch schmunzelnd berichtete, dachte er damals schon "Wie richtig".

Nach dreijähriger Doktorandenzeit promovierte er im Jahr 1969.
In den folgenden drei Jahren arbeitete er in Kanada als Postdoctoral Fellow des National Research Council an der Carleton Universität in Ottawa.

1972 wechselte Professor Grünberg dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Institut für Festkörperforschung im Forschungszentrum Jülich.

1984 folgten die Habilitation an der Universität zu Köln und Tätigkeiten als Privatdozent.

1984 bis 1985 fand der Forschungsaufenthalt in den Vereinigten Staaten am Argonne National Laboratory in Chicago statt. Es ist eines der ältesten und größten Forschungsinstitute des United States Department of Energy.

Im Forschungszentrum in Jülich erforscht Peter Grünberg im Jahr 1986 die Antiferromagnetische Kopplung in Schichtstrukturen.

Dann kommt das Jahr 1988. Es finden die entscheidenden Arbeiten zum GMR-Effekt in Jülich statt. Der GMR-Effekt - die Bezeichnung ist in Jülich wohl mittlerweile sehr bekannt. Aber was steckt dahinter? Nun, es gibt sicherlich Berufenere, um eine detaillierte wissenschaftliche Erläuterung dieses Phänomens vorzutragen. So möchte ich aus gegebenem Anlass nur mit einigen wenigen allgemein verständlichen Sätzen darauf eingehen.

GMR steht für den englischen Begriff "Giant Magnetoresistance" zu deutsch: Riesenmagnetowiderstand. Die bahnbrechende Entdeckung war, dass der elektrische Widerstand von dünnen magnetischen Schichten sich stark durch äußere Magnetfelder ändert. Um den Effekt zu erzielen, sind mindestens drei Schichten erforderlich - zwei magnetische Schichten und dazwischen eine sehr dünne nichtmagnetische Schicht zur Trennung. Ein solches sogenanntes Sandwich kann zum Beispiel aus den Schichten Eisen-Chrom-Eisen bestehen.

Die Entdeckung des GMR-Effekts bedeutete den Durchbruch auf dem Weg zu immer kleineren und leistungsstärkeren Festplatten, da mit seiner Hilfe Sensoren gebaut werden konnten, die in der Lage sind extrem viele Daten, die auf kleinstem Raum gespeichert werden, exakt wieder auszulesen. Ohne den GMR-Effekt wären die heute gängigen Gigabyte-Festplatten gar nicht möglich gewesen. Wen wundert es da, dass "Die Zeit" Herrn Professor Grünberg als "Mr. Festplatte" tituliert.

Exponate über den GMR-Effekt sind mittlerweile im "Nano-Truck" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ebenso zu sehen wie im Deutschen Museum in München.

Was aber ergab sich eigentlich aus dieser Entdeckung für unsere tagtägliche Lebenswirklichkeit? Nun, meine sehr verehrten Damen und Herren, Wissensmöglichkeiten wachsen nicht allein mit der Zugänglichkeit zu Informationen, sondern auch mit ihrer effizienten Organisation und Verknüpfung. So stellt die Informationstechnik für diese Aufgabe heute Werkzeuge zur Verfügung, die weit über frühere Möglichkeiten hinausgehen. Der Umgang mit Informationen ist für alle Lebensbereiche wesentlich und schließt neben der Arbeitswelt auch das Privatleben mit ein, denn Unterhaltung und private Kommunikation werden durch die neuen Medien ebenso geprägt. Durch die Möglichkeiten, große Datenmengen zu speichern, verfügbar zu machen, schnell zu verarbeiten und weiterzuleiten, steigert die Informationstechnologie die Effizienz von Technik überhaupt. Für die Entwicklung all dessen ist die Entdeckung von Herrn Professor Grünberg von entscheidender Bedeutung. Sie hat mithin nachhaltig dazu beigetragen, unsere Welt wie auch unser tägliches Leben und unseren Alltag zu verändern.

Während einer Tagung in Le Creusot im August 1988 erfuhren Sie, dass Albert Fert zur gleichen Zeit in Frankreich sehr ähnliche Forschungen durchführte. Bei einem Gespräch und einer mittlerweile berühmten Flasche Rotwein lernten Sie sich persönlich kennen.

Im Jahr 1992 wurden Sie zum Außerplanmäßigen Professor an der Universität zu Köln ernannt.

1998 folgte ein halbjähriger Forschungsaufenthalt an der Universität von Sendai und im Forschungszentrum Tsukuba in Japan.

Nach 32 Jahren im Forschungszentrum stand für Sie, lieber Herr Professor Grünberg, im Jahr 2004 die Versetzung in den "Unruhestand" an.

Treffender kann man das wohl nicht beschreiben, denn von Ruhe kann bei diesem Rentner nun wirklich keine Rede sein. Auch in den folgenden Jahren ist er fast täglich im Forschungszentrum anzutreffen.

Mit der Verleihung der ersten Helmholtz-Professur im November 2007 hat er nun ganz offiziell die Möglichkeit im Forschungszentrum weiterhin mit entsprechender Finanzausstattung wissenschaftlich tätig zu sein.

"Jeder Wissenschaftler ist immer auch ein Träumer. Sonst kommt man in der Grundlagenforschung nicht weiter." Mit diesem Satz werden Sie in der Publikation "25 Menschen aus dem Innovationsland Nordrhein-Westfalen" zitiert, die Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen jüngst versandte. Und weiter ist dort wie folgt zitiert: "Der praktische Mensch interessiert sich nur für Dinge, die Nutzen bringen. Ein Wissenschaftler lässt sich von den Dingen faszinieren, er will wissen, was dahinter steckt. Er denkt, "das will ich genauer wissen."

Wie gut, dass Sie das mit dem GMR-Effekt genauer wissen wollten und mit Ehrgeiz und Eifer bei der Sache geblieben sind.

Albert Einstein hat einmal gesagt: "Zwei Dinge sind zu unserer Arbeit nötig: Unermüdliche Ausdauer und die Bereitschaft, etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder wegzuwerfen."

Sie lieber Herr Professor Grünberg würden wohl eher sagen: Man muss sich "auf den physikalischen Hosenboden setzen" um etwas erreichen zu können. Man muss das Thema verstehen und durchdenken, ja gerade zu durchdringen, bevor man sich in Details verliert.

Sie haben immer viel und engagiert gearbeitet, und sich den Lohn eine bedeutende Entdeckung zu machen und dafür entsprechende Ehrungen zu bekommen, verdient. So schreibt das Wissenschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen über Sie: "Der Wissenschaftler gilt als Gründer der Zukunftstechnologie Spintronik."

Aber Sie hatten auch das Glück, das Richtige zu entdecken. Auch zum Thema Glück hatte Ihr alter Professor Hellwege einen interessanten Satz parat. Zitat: "Jeder kann einmal Glück haben, aber nur der Tüchtige weiß das Glück zu nutzen." Ich habe den Eindruck, er wusste Sie recht gut einzuschätzen.

Der Nobelpreisträger Professor Peter Grünberg hat für die von ihm geleistete Grundlagenforschung und die Entdeckung des GMR-Effektes bereits zuvor zahlreiche Preise und Ehrungen erhalten. Lieber Herr Professor Grünberg, Sie kennen sie alle, aber ich möchte sie heute Abend nennen, um deutlich zu machen, wie sehr Ihre Arbeit Beachtung fand und dass die Hoffnung auf den Nobelpreis seit Jahren eine realistische Basis hatte.

1994 International Prize for New Materials
1994 Magnetism Award
1996 Technologie-Preis des "Vereins der Freunde und Förderer des Forschungszentrums Jülich"
1997 Hewlett-Packard Europhysics Prize
1998 Deutscher Zukunftspreis des Bundespräsidenten
2002 Ehrendoktorwürde der Fakultät für Physik und Astronomie der Ruhr-Universität Bochum
2003 Auswärtiges Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft
2004 Manfred von Ardenne-Preis für Angewandte Physik der Europäischen Forschungsgemeinschaft Dünne Schichten
2006 Auszeichnung als "Europäischer Erfinder des Jahres" durch die Europäische Kommission und das Europäische Patentamt
2007 Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft
2007 Japan-Prize der Science and Technology Foundation of Japan verbunden mit dem Empfang beim Japanischen Kaiser
2007 Wolf-Foundation-Prize in Physik


Und dann der 9. Oktober 2007, die Bekanntgabe der Nobelpreisträger für Physik: Peter Grünberg und Albert Fert. Die Verleihung des Nobelpreises folgte am 10. Dezember 2007 in Stockholm.

In der ZEIT vom 11. Oktober 2007 war folgendes zu lesen:
"Tatsächlich würdigt der diesjährige Physiknobelpreis, den sich Grünberg und der Franzose Albert Fert von der Universite Paris-Sud teilen, eine Entdeckung, wie sie sich Wissenschaftler nur erträumen können: Eine fundamentale Erkenntnis aus der Grundlagenforschung wird innerhalb von neun Jahren zum Massenprodukt. Und ein staatlich geförderter deutscher Forscher hat auch noch die Chuzpe, seine Entdeckung sofort zum Patent anzumelden und damit seinem Arbeitgeber über zehn Millionen Euro in die Kasse zu spülen. Für die Technologietransferstellen deutscher Universitäten muss es wie ein Märchen klingen.

Grünberg ist sofort bewusst, auf etwas fundamental Neues gestoßen zu sein, und will die Ergebnisse schnell veröffentlichen. Doch die wichtigste Physik-Fachzeitschrift Physikal Review Letters lehnt erst einmal ab. Der Effekt sei zu schwach, um interessant zu sein, moniert ein Gutachter - eine monumentale Fehleinschätzung.
Grünberg ärgert sich, bleibt aber von seiner Entdeckung überzeugt und reicht einen Patentantrag ein. Wenige Monate später, im Mai, hört er, dass eine französische Gruppe um Albert Fert ein ganz ähnliches Ergebnis erzielt hat. Deren Publikation ist zwar schneller, aber das Patent gehört da schon dem Forschungszentrum."


Preise aus aller Welt also für eine wissenschaftliche Entdeckung, die die Grundlagenforschung entscheidend beeinflusst hat und schnell in Produkte umgesetzt wurde. Als erster Lizenznehmer nutzte IBM den GMR-Effekt für Festplattenlaufwerke, viele weitere folgten.

Konnten Sie, konnte das Forschungszentrum Jülich damit rechnen, dass Sie den Nobelpreis 2007 für Physik erhalten?

Seit Jahren wurden Sie als einer der möglichen Preisträger gehandelt.
Professor Treusch hat mir dazu folgendes berichtet: Herr Grünberg ist seit vielen Jahren immer mit dem Fahrrad zum Forschungszentrum gefahren und immer in Jeans und ohne Schlips, nur an dem entsprechenden Tag Anfang Oktober, wenn die Nobelpreise für Physik bekannt gegeben wurden, hatte er vorsichtshalber einen Schlips im Gepäck.

Sie selber, lieber Herr Professor Grünberg, haben sich dazu wie folgt geäußert:
"Ich war ja schon einige Jahre im Gespräch für den Nobelpreis. Noch im Jahr 2006 habe ich kurz vor der Verkündigung regelrecht gezittert, ich hatte Angst vor dem ganzen Rummel. Umso erleichterter war ich, dass ich nicht gewonnen hatte. Aber dann dachte ich, dass es ja auch nicht gut ist, den Preis nicht zu bekommen, wenn man doch schon im Gespräch ist. Das wäre ja auch enttäuschend, es birgt auch Angst, vergessen zu werden. Also wollte ich dann doch gewinnen."

Dennoch haben Sie im Jahr 2007, nachdem Sie in früheren Jahren reichlich nervös auf einen Anruf gewartet haben, keine besonderen Vorkehrungen getroffen. Ihre Frau hatte sich am frühen Morgen per Flugzeug auf den Weg zur Tochter nach London gemacht, weil dort eine helfende Hand gebraucht wurde. Als sie nichts ahnend den Flieger verließ, wurde sie begrüßt mit einem freundlichen: "Schön, dass Du da bist, lass uns zurückfliegen, Papa hat den Nobelpreis bekommen."

Na ja, so was kann - wie man sieht - vorkommen, wenn der Papa ein herausragender Wissenschaftler ist.

Der Tag verlief dann auch für Sie, Herr Prof. Grünberg, alles andere als normal. Als der Anruf kam, seien Sie ganz ruhig geblieben, habe ich gehört. Ihre Umgebung blieb das nicht. Die Telefone liefen heiß, jeder wollte den Nobelpreisträger sprechen. Der Zugriff auf die Internetpräsentation des Forschungszentrums nahm nahezu unvorstellbare Größenordnungen an. Alleine 50 Presseanfragen gab es an diesem Tag.

Grünberg auf allen Kanälen in Funk und Fernsehen - wenn man es mal verkürzt auf den Nenner bringen will. Die Termine wurden organisiert und alles passte.

Wie mit ihrem Büro vereinbart konnte ich Ihnen im Namen der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt am Nachmittag im Anschluss an ein Fernsehinterview persönlich gratulieren. Ich werde nie vergessen, wie Sie mit strahlenden Augen und ausgestreckten Armen auf mich zukamen. So hatte ich an diesem Tag Gelegenheit ihre offenkundige Freude über diese wunderbare Würdigung ihrer Forschungsergebnisse gemeinsam mit Ihnen zu teilen.

Der Nobelpreis brachte Sie, lieber Herr Professor Grünberg, also auf die Titelseite der Zeitungen, in Rundfunk und Fernsehen. In den Tagen und Wochen nach der Bekanntgabe des Physik-Nobelpreisträgers 2007 war an wissenschaftliche Arbeit wohl eher nicht zu denken. Bei all den Anfragen nach Interviews und Fotos war Ihr Terminkalender randvoll. Auch das gehört eben dazu, wenn man Nobelpreisträger wird. Sie haben diese Termine mit Ruhe und Gelassenheit gemeistert. Bewundernswert, wie ich finde, denn Fernsehrauftritte bei Will und Kerner gehören auch für einen erfahrenen Wissenschaftler nicht zum üblichen Aufgabengebiet.

Dann folgte im Dezember die Reise nach Schweden. Vor der eigentlichen Verleihung des Nobelpreises am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, standen zunächst Proben auf dem Programm. Der Ablauf der Zeremonie in Stockholm ist genau festgelegt und abgesehen von der königlichen Familie haben die Teilnehmer verständlicherweise wenig Erfahrung damit. Sie erhielten dann gemeinsam mit den anderen Preisträgern des Jahres 2007 Ihren Nobelpreis aus den Händen des schwedischen Königs.

Zum Nobelpreis haben Sie sich, lieber Herr Professor Grünberg, wie folgt geäußert: "Der Nobelpreis ist natürlich DER Preis .Es gibt wohl keinen Wissenschaftler, der nicht davon träumt, ihn zu gewinnen. Jetzt wo ich ihn bekommen habe, kann ich es gar nicht ganz fassen. Manchmal denke ich tatsächlich, dass ich gleich wach werde und dann ist alles so wie vorher. Ich werde noch Zeit brauchen, das alles zu begreifen."

Später beim Gala-Diner saßen Sie dann neben Prinzessin Madeleine, mit der Sie sich so angeregt unterhielten, dass Sie, wie im Physik Journal Januar 2008 zu lesen war, "gar nicht zum Essen kamen".

Zu den Pflichten eines Nobelpreisträgers gehört es auch, die Nobel Lecture in der Aula Magna der Stockholmer Universität zu halten. Ihre Vorlesung "From spinwaves to Giant Magnetoresistance (GMR) and beyond" wurde dort sehr aufmerksam verfolgt und mit viel Beifall bedacht.

Die Einladungen reißen aber auch weiterhin nicht ab, wie ich anlässlich der erforderlichen Terminabstimmungen für die heutige Verleihung der Ehrenbürgerschaft erfahren konnte.

Weitere Ehrungen folgten bereits dem Nobelpreis.
2008  Symbolisches Siegel der Stadt Plzen (Pilsen)
2008  Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
2008  Ehrendoktorwürde der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln

Bei all den Ehrungen sind Sie sich treu geblieben. An einigen wenigen Beispielen möchte ich das verdeutlichen.

Bei all den Terminen ehrt es Sie, lieber Herr Professor Grünberg, dass Sie sich zum Beispiel auch für die offizielle Übergabe des Institutsgebäudes im städtischen Gymnasium Zitadelle auf Einladung der Schulleitung Zeit genommen haben. Ihre Anwesenheit und ihre Ansprache wird allen Beteiligten - ganz besonders den jungen Schülerinnen und Schülern - ein unvergessliches Ereignis bleiben. Für die Annalen der Schule hat das Ereignis durch Ihre Anwesenheit historische Dimensionen angenommen.

Bereits mit Ihrem Engagement beim Aufbau des Schülerforschungslabors JuLab in den vergangenen Jahren, haben Sie dazu beigetragen, Naturwissenschaften Jülicher Schülerinnen und Schülern näher zu bringen. Bei den Schülerinnen und Schülern des Schülerlabors sind sie sehr beliebt, weil Sie als Forscher so überzeugend sind.

Als Sie 1998 den Preis des Bundespräsidenten bekamen, haben Sie als erstes Ihren Kollegen und Mitarbeitern gedankt und zu einer großen Party eingeladen und auch nach der Bekanntgabe des Nobelpreises wurde mit den Kollegen auf dem Flur mit einem Glas Sekt angestoßen. Alle sollten am großen Erfolg teilhaben. Das ist typisch für Sie und Ihre Bescheidenheit.

Verehrte Gäste, Wilhelm Johnen, der vor 46 Jahren Ehrenbürger unserer Stadt wurde, hat maßgeblich dazu beigetragen, die damalige Kernforschungsanlage, das heutige Forschungszentrum, nach Jülich zu holen. Er hat sozusagen Ihnen, lieber Herr Professor Grünberg, den Boden bereitet.

Und noch einmal möchte ich in Erinnerung rufen, was "Die Zeit" über Sie schreibt:
"So bedeutend ist der Nobelpreis auch deshalb, weil er an einen deutschen Forscher verliehen wird, der in Deutschland forscht. ...... Peter Grünberg hat in Frankfurt und Darmstadt studiert und 32 Jahre lang am Forschungszentrum Jülich gearbeitet. Er beweist: Ein wissenschaftlicher Durchbruch ist auch ohne amerikanische Umwege möglich. Der Jülicher Erfolg zeigt aber ebenso, dass es gelungen ist, das ehemalige Kernforschungszentrum in einen modernen Wissenschaftscampus zu verwandeln, den größten in Deutschland. Grünbergs Fachgebiet, die Festkörperphysik, war eines der Felder, das dem Forschungszentrum nach dem Wegfall seiner alten Aufgabe neues Profil verleihen sollte. Die Strategie geht auf."

Sie, lieber Herr Professor Grünberg, haben die Möglichkeiten des Forschungszentrums Jülich bestmöglich ausgenutzt. Sie haben dem Forschungszentrum und unserer Stadt Jülich ein ganzes Arbeitsleben lang die Treue gehalten. Es freut mich als Bürgermeister ganz besonders, dass Jülich in dieser Zeit Ihr "Zuhause" geworden ist. Ich wünsche Ihnen im Namen der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, wie auch im Namen von Rat und Verwaltung von Herzen für die Zukunft Gesundheit, Glück und alles Gute. Ich verbinde das mit besten Wünschen für Sie und Ihre Familie. Wir alle freuen uns darauf, Sie zukünftig bei Feierlichkeiten in Jülich als Ehrenbürger begrüßen zu können.

Jülich und das Forschungszentrum haben Ihnen lieber Herr Professor Grünberg unendlich viel zu verdanken, denn Sie haben beide - Forschungs-Stadt und Forschungszentrum - weltweit in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Sie sind als Vertreter für beide in Ihrer unnachahmlich bescheidenen und gleichzeitig überzeugenden Art der beste vorstellbare Botschafter.

Lieber Herr Professor Grünberg, Sie haben die bedeutendsten wissenschaftlichen Preise und Ehrungen aus aller Welt erhalten. Es ist mir eine besondere Ehre Ihnen heute gemäß Beschluss des Rates der Stadt Jülich die bedeutendste Ehrung unserer Stadt - das Ehrenbürgerrecht der Stadt Jülich - verleihen zu dürfen. Ich gratuliere Ihnen im Namen aller Ratsmitglieder wie auch persönlich herzlich zu dieser Auszeichnung.

Ich bitte Sie nun, zu mir nach vorne kommen.



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