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Die Sammlung des Jülicher Heimatmuseums 1902-1944

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Die Sammlung des Jülicher
Heimatmuseums 1902-1944


Was ist Vergangenheit?

Das Konzept der Ausstellung "Alterthümer"

Erinnerungsstücke ändern sich nicht. Doch woran sie erinnern, ändert sich. Eine Skulptur des Jülicher Künstlers Kalle Hommelsheim erinnert am Eingang der Ausstellung an die Vergänglichkeit von Inhalten. Die IUNOSÄULE zeichnet maßstabsgetreu die Konturen einer römischen Schuppensäule aus gebogenem Rundstahl nach. Sie ist reine Form, der Inhalt und damit auch ihre Bedeutung hat sich verflüchtigt. Das Kunstwerk regt so zum Nachdenken über den Inhalt der Vorlage an. Auch ein Museum zeigt nicht die Objekte an sich. Auswahl, Präsentation, Beschriftung und die Vermittlung durch erklärende Worte stellen die Exponate in einen Kontext, der oft mehr über die eigene Zeit denn über die der gezeigte Objekte verrät.

Als Peter Linnartz 1902 das Jülicher Heimatmuseum im Hexenturm gründete, stand der Begriff der Heimat im Vordergrund. Dieser hatte damals noch einen anderen Klang. Heimat war eine diffuse Vergangenheit, in der man aufgehoben, in der die Welt noch in Ordnung war. Was bedeutet, das die Welt gegenwärtig nicht in Ordnung zu sein schien, irgendetwas fehlte, war verlorengegangen. Das Gefühl des Verlustes, hervorgerufen durch ein Gefühl des Verlorenseins in der Gegenwart, führte zu einer Sehnsucht nach der guten alten Zeit. Indem das Heimatmuseum diese gute alte Zeit scheinbar konservierte und gegen die moderne Welt abgesetzte, konstruierte es eine irreale, national überhöhte Vergangenheit, schuf einen Mythos, in dessen Tradition man sich sehen wollte.

Doch die Heimatmuseen als Märchentempel abzutun, greift zu kurz. Man hatte die Gegenwart als Produkt der Vergangenheit erkannt. Folglich galt es, die Vergangenheit als formende Kraft der Gesellschaft zu entdecken. Und so trugen Linnartz und seine Nachfolger Spinnräder und Heiligenfiguren, Bauerntruhen und römische Kapitelle, Pfefferstreuer und Pulverflaschen, Apothekenflaschen und Stadtansichten, Flachsbrecher und Uniformteile aus dem Jülicher Land zusammen. Die Anteilnahme der Bevölkerung war groß; sie ergänzte durch zahlreiche Schenkungen die Sammlung.

Von der Kultur, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Objekte vermittelt wird, bis zum Volk, das in den 1930er Jahren kulturelle Werte über das Blut vererbt, war es ein kleiner Schritt. Die unsägliche Blut- und Boden-Ideologie instrumentalisierte die Heimat für ihre Zwecke, wobei das Jülicher Heimatmuseum unter seinem damaligen Leiter Max Hermkes dieser Entwicklung kräftig Vorschub leistete. "Ohne Heimatliebe keine Vaterlandsliebe, ohne Vaterlandsliebe keine Opferbereitschaft für das deutsche Volk. Das Heimatmuseum ist als Pflegestätte der Heimatliebe und Schollenverbundenheit von größter politischer Bedeutung." Dieser Eintrag in das Besucherbuch von 1934 charakterisiert den Geist der Zeit. Am Ende lagen Heimat und Museum in Trümmern. Ein völliger Neuanfang musste her.

Es entstand ein neues Museum, das sich über ein halbes Jahrhundert später seinem Vorläufer zuwendet. Das Ergebnis zeigt die Ausstellung "Alterthümer". Die Rekonstruktion des alten Hauptsaals und die thematische Gliederung vermitteln den Charakter des Heimatmuseums. Dessen wenig strukturierte Präsentation wurde schon in den 1930er Jahren kritisiert. Hinzu kam, dass die Objekte nur unzureichend beschriftet und häufig falsch datiert waren. Fotos aus den 1920er und 1930er Jahren, die eine überquellende Fülle an Exponaten zeigen, kontrastieren mit einer abwechselnd modernen und einer an das Heimatmuseum angelehnten Präsentation derselben Objekte.

Die Ausstellung kann und will nicht das alte Hexenturmmuseum wiederherstellen, denn die Geschichte hat das Heimatmuseum längst überholt. Sollten damals Zeugnisse der Vergangenheit als kulturelle Wurzeln identitätsstiftend wirken, wollen wir heute die Vergangenheit nicht verklären, sondern begreifen. Stand damals die Vielzahl der Objekte für die Vergangenheit, stellt die Ausstellung heute die Objekte in ihrem historischen Kontext. Trotz aller berechigten Kritik an der frühen Museumsarbeit unterstreicht die Ausstellung auch ihren Wert, den sie durch die Sicherung wichtiger Zeugniss Jülicher Geschichte erwarb.

Ausschnitt aus J. H. Weiermann: Ansicht von Jülich
16. Mai - 31. Oktober 2004
Zitadelle Jülich
Turmzimmer
 
Öffnungszeiten: Mo bis Fr: 14 - 17 Uhr
Sa, So u. Feiertag: 11 - 18 Uhr


Informationsveranstaltungen zu Landschaftsplänen

6. Juni, 19 Uhr, Bürgersaal des Rathauses Titz

N.N. Theater: Michael Kohlhaas

1. Juni, 20 Uhr, Open Air Bühne im Brückenkopf-Park Jülich

Neu im Außerschulischen Lernort des Brückenkopf-Parks Jü

Neue Angebote seit dem 1. Mai

Neu im Park – Ziegenkontaktbereich

Ziegen streicheln und füttern

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