Man soll nie mit dem Anfangen aufhören!
Internet-Treffpunkt Dachsteinpavillon beim Altenzentrum St. Hildegard in Jülich
Kommunikation statt Isolation unter diesem Motto wurde der Internet-Treffpunkt im Pavillon des Altenheims St. Hildegard in Kooperation mit dem Gemeinnützigen Bauverein Jülich e.G. am 17. September 2000 eröffnet. Fünf PC-Arbeitsplätze befinden sich in diesem gemütlichen Ambiente, das mit seiner transparenten Bauweise an einen Wintergarten erinnert. Seither organisiert der Projektträger hier die größte Anzahl der Internetkurse und Projektangebote. Neben Einführungskursen ins Internet für PC-Neulinge und PC-Erfahrene gibt es Internetkurse für Fortgeschrittene und einen Offenen Surftreff. Ferner treffen sich hier derzeit zwei Projektgruppen: Eine erstellt ein digitales Kochbuch und die andere baut eine Informations- und Austauschbörse im Netz auf. Außerdem schult die Projektleitung im Pavillon die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Senioren ins Netz. Seit der Eröffnung haben ca. 350 Senioren an einem Angebot teilgenommen. Diese Zahl macht deutlich, wie groß das Interesse und Bedürfnis der Senioren ist, sich mit den neuen Medien zu beschäftigen.
Auch wenn bisher noch nicht so viele Bewohner des Altenheimes und der betreuten Wohnanlage selbst den Schritt ins Netz gewagt haben, ist Rudolf Stellmach, der Leiter des Altenheimes von der Signalwirkung des Projektstandortes überzeugt: Es eröffnet unseren Bewohnern die Möglichkeit, engere Kontakte zu Verwandten und Freunden zu pflegen, sie können Internetshopping kennen lernen und vieles mehr. Das Internet ermöglicht einen Zugang zur Welt. Mit dem Internet-Treffpunkt und der Anbindung an Senioren ins Netz sind wir in diesem Heim der Zeit wirklich voraus. Unser Computer-Pavillon stößt bei Besuchern immer auf größte Aufmerksamkeit. Umgekehrt lernen viele Senioren durch die Projektangebote unser Haus kennen und räumen mit den Vorurteilen auf, die oft gegen Altenheime bestehen. Auch das ist ein Vorteil für unsere Arbeit.
Auf die Frage nach Hindernissen für eine Teilnahme antwortet er: Viele unserer Bewohner sind bettlägerig oder aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage teilzunehmen. Aber es gibt eine Gruppe, die sich für das Internet interessieren und Nutzen daraus ziehen kann. Bei den Bewohnern des ,Betreuten Wohnens, in der jüngere, auch gesündere Menschen leben, hat sich noch nicht so viel Beteiligung entwickelt, wie ich erwartet habe. Doch, ich glaube, wir können noch eine größere Anzahl Bewohner und älterer Mitarbeiter für das Internet interessieren, wenn es uns gelingt den Zugang zur Technik zu vereinfachen und zu zeigen, welche Möglichkeiten das Internet für unsere Zielgruppe hier bietet. Dafür befragt derzeit ein Mitarbeiter des Sozialen Dienstes die Bewohner nach ihren Interessen und Hobbys.
Maria Becker lebt seit zwei Jahren im Altenheim und gehört zu denjenigen, die sehr großes Interesse an den neuen Medien haben. Ich hatte in meinem Leben nie mit einem Computer zu tun. Aber ich bin neugierig. Ich habe den Kurs ,Internet für PC-Neulinge besucht, das hat mir sehr gut gefallen. Jetzt gehe ich montags meistens zum Offenen Surftreff. Im November nahm sie an der Zukunftswerkstatt für Senioren Angeklickt Lebensqualität gestalten und verbessern teil. Seither arbeitet sie in einer Projektgruppe mit, die eine Informations- und Austauschbörse für Senioren im Internet aufbauen will. Die agile 72-Jährige überlegt sich außerdem, ob sie sich ein eigenes Laptop kaufen soll: Dann könnte ich mich intensiver und immer, wenn ich Lust habe mit dem Computer beschäftigen und wäre unabhängig von den Öffnungszeiten im Pavillon. Außerdem könnte ich meine Beiträge für die Heimzeitung auf dem Computer schreiben. Ich traue mir zu, damit zurecht zu kommen. Man soll ja mit dem Anfangen nie aufhören.
Auch Rudolf Stellmach hat bezüglich des Internet-Treffpunktes einige Pläne für die Zukunft: Wir wollen mit Unterstützung der Projektleitung die Senioren gezielter ansprechen. Eine Idee ist, im Foyer ein Intranet aufzustellen. Vielleicht gibt es auch bald die Möglichkeit, generationenübergreifend zu arbeiten. Wir könnten Enkelkinder, die zu Besuch kommen, mit ihrer Großmutter oder ihrem Großvater an die Computer lassen. In zehn Jahren wird das, was wir in unserem Heim heute schon bieten, selbstverständlich sein. Da werden Senioren, die mit dem Internet ihr Leben bereichern und vereinfachen, Realität sein.