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Jahresbericht 1995
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Jahresbericht 1995
Verantwortlich für Text und Gestaltung: Christa Bartel


Einleitung

Vor 3½ Jahren wurde das Kulturhaus am Hexenturm eingeweiht. So kontrovers das Gebäude von den Jülicher Bürgern beurteilt wurde, so einhellig akzeptieren die Jülicher das abwechslungsreiche kulturelle Angebot im Kulturhaus heute. Die Stadtbücherei sorgt dafür, daß täglich reges Leben im Kulturhaus herrscht und daß ca. 25% der Einwohner Jülichs mehr oder minder regelmäßig das vielfältige Angebot der Bibliothek nutzen.

Der Jahresbericht 1995 gibt einen Überblick über die geleistete Arbeit der Stadtbücherei im vergangenen Jahr. Aufgezeigt werden die Highlights und auch die Sorgen der Bibliothek.

Ein Vergleich mit den angestrebten Zielen des Bibliotheksentwicklungsplans zeigt auf, was in Zukunft Priorität erhalten muß. Die Zielrichtung wird jedoch auch mitbestimmt durch die rasche technische Entwicklung im Medienbereich und im Bibliothekswesen, denn die Bibliothek muß auf das Rezeptionsverhalten ihrer Nutzer flexibel reagieren.


Die Stadtbücherei im Überblick 1995

  • In der Stadtbücherei gibt es folgende neue Medien: CD-ROM im Informationsbereich und Videospielfilme für Erwachsene.

  • 95 Veranstaltungen wurden 1995 von der Stadtbücherei angeboten. Sie fanden entweder im Kulturhaus oder in Kindergärten und Schulen statt und wurden von 2.139 Teilnehmern besucht.

  • 54 Blockausleihen mit insgesamt 621 Buchtiteln wurden für Schulen und Kindergärten zusammengestellt.

  • Im September 95 begannen die Mitarbeiterinnen der Bibliothek mit der Umstellung auf EDV. Gekauft wurde die Bibliothekssoftware Bibliotheca III.

  • Die Öffnungszeiten wurden wegen der Umstellung auf EDV von 27 auf 23 Stunden gekürzt.

  • 1995 hatte die Stadtbücherei an 5 Tagen in der Woche seit dem 01.09. 23 Stunden geöffnet. Der bestgenutzte Ausleihtag war der Samstag mit durchschnittlich 332 Ausleihen in 2 Stunden.

  • 4.500 Titel des 40.000 Titel umfassenden Gesamtbestandes waren Ende Dezember in das neue EDV-System eingegeben.

  • Die Stadt Jülich hatte 1995 pro Einwohner/in 14,26 DM für die Stadtbücherei ausgegeben.

  • Für die Anschaffung neuer Bücher und Medien standen 2,53 DM pro Einwohner/in zur Verfügung.

  • 4.192 aktive Leserinnen und Leser hatten im vergangenen Jahr Medien ausgeliehen. Das entspricht einem Anteil von 13% der Gesamtbevölkerung Jülichs. Regelmäßig genutzt wurde die Stadtbücherei mindestens von der doppelten Anzahl.

  • 1995 wurden der Sachbuchbestand und die Zeitschriften 2 mal umgesetzt. Da auch der gesamte Präsenzbestand diesem Bereich zugeordnet ist, wird er häufig vor Ort genutzt.

  • Den stärksten Umsatz erfuhren CDs. Sie wurden durchschnittlich 9,5 mal ausgeliehen.

  • 1995 wurde die Stadtbücherei mit 51.000 DM Fremdleistungen bezuschußt.

Leistungsbericht der Stadtbücherei

Medienangebote

Das Medienangebot der Stadtbücherei ist breit gefächert. Trotz des stagnierenden Etats bei ständig steigenden Preisen konnte es 1995 um Videospielfilme für Erwachsene erweitert werden. Dies wurde durch eine Projektförderung der Staatlichen Büchereistelle Köln finanzierbar. Der Bestand einer gut sortierten öffentlichen Bibliothek muß das Rezeptionsverhalten der Bevölkerung widerspiegeln. Neben den klassischen Medien Bücher, Zeitschriften und Spielen haben zunehmend Computerspiele und Videos den deutschen Haushalt erobert. Das Angebot der Stadtbücherei will bewußt einen Gegenpol zu den gewerbsmäßigen Videotheken bilden und enthält besonders ausgesuchte, wertvolle oder klassische Spielfilme.

Der Zeitschriftenbestand wurde der Nachfrage angepaßt. Sechs Zeitschriftentitel wurden im vergangenen Jahr ausgetauscht; wenig benutzte Titel wurden abbestellt und durch nachgefragte Titel ersetzt. Von 69 Zeitschriftentitel sind 17 Titel Geschenkabonnements von Sponsoren.

Der Zeitungsbestand konnte 1995 durch drei fremdsprachige Zeitungen ergänzt werden. Die englischsprachige Zeitung West Africa, die französischsprachige Jeune Afrique und die armenischsprachige Zeri wurden vom Sozialamt gesponsert mit dem Ziel, Asylbewerbern in Jülich die Information der Tagespolitik in der Muttersprache zu ermöglichen. Das Angebot wurde von vielen Asylbewerbern dankend angenommen. 1996 kann das Sozialamt die Zeitungsabos nicht mehr finanzieren. Als neuer Sponsor konnte der Ausländerbeirat gewonnen werden, so daß dies ausländerfreundliche Angebot auch im neuen Jahr weiterhin bestehen bleiben kann.

Der Aufbau des CD-Bestands konnte 1995 insbesondere im Bereich der U-Musik (Rock, Pop, Musical, Folk) weiter ausgebaut werden. Dies ist ein Angebot, das insbesondere Jugendliche anspricht. Da es in der Stadtbücherei Jülich keinen eigenen Bereich für ältere Jugendliche gibt, ist es besonders wichtig, durch entsprechende Angebote auch diese Altersgruppe als Nutzer der Bibliothek zu gewinnen. Der steigende Ausleihanteil der CDs (von 3,7% auf 5,8%) zeigt, daß die Bücherei mit diesem Angebot auf dem richtigen Weg ist.

Bücher auf Kassetten erlebten im letzten Jahr in den USA einen kometenhaften Boom. Auch in Deutschland wird die Nachfrage immer größer. Bisher wurde dieser Bestand in der Stadtbücherei Jülich vorwiegend von älteren oder sehbehinderten Menschen genutzt. Die wachsende Nachfrage aus allen Altersgruppen läßt den Ausbau dieses Angebots sinnvoll erscheinen (soweit die finanziellen Mittel dies zulassen).

Der Informationsbereich der Bibliothek wurde durch den Kauf von CD-ROMs bereichert. Mit 16 Datenbanken auf CD-ROM ist der Bestand in Jülich noch sehr bescheiden. In Anbetracht der vielfältigen, komfortablen und einfachen Recherchemöglichkeiten dieses neuen Mediums wird die Zukunft der CD-ROM einen festen Platz im Informationsbestand der Bibliothek sichern.

Mit 94% des Gesamtbestandes der Stadtbücherei Jülich behält das Buch jedoch weiterhin seine dominierende Rolle. Deshalb ist für die qualitätsvolle Arbeit ein aktueller und vielseitiger Buchbestand die wesentliche Grundlage.

1995 konnten 1.809 neue Buchtitel gekauft werden. Im gleichen Zeitraum wurden 1.978 Titel wegen Verschleiß oder Überalterung aus dem Bestand genommen. Der Buchbestand der Stadtbücherei geht also weiterhin leicht zurück. In den letzten vier Jahren sind die Mittel für den Buchkauf im Büchereietat konstant geblieben, während die Buchpreise ständig gestiegen sind. Für das gleiche Geld können weniger Titel gekauft werden. Um einen möglichst aktuellen Bestand anbieten zu können, wurden 1995 mehr Taschenbücher oder Paperbacks als in den Vorjahren gekauft. Allerdings verschleißen diese Ausgaben auch schneller als gebundene Bände.

Buchkauf: Summe 54.000 DM

  1992 1993 1994 1995
Gekaufte Titel 2.325 1.835 1.743 1.809
Buchbestand 36.285 37.233 35.993 35.824

Dienstleistungen

Als Dienstleistungsbetrieb deckt die Stadtbücherei Jülich ein sehr breites Spektrum ab. Sie bietet Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Sprach-, Musik- und Literaturkassetten, CDs, Videos, Landkarten, Disketten und Spiele an.

Die Medien werden von den Bibliotheksmitarbeiterinnen ausgesucht, gekauft, bearbeitet, in unterschiedlichen Katalogen erschlossen, bereitgestellt und ausgeliehen. Die Nutzer werden bei der Suche nach Literatur beraten. Sie erhalten sowohl mündlich, telefonisch als auch schriftlich Auskunft auf ihre Anfragen. Besondere Trends oder kommunalpolitische Interessen werden beim Ankauf der Medien berücksichtigt.

Spezielle Literatur wird per Fernleihe aus anderen Bibliotheken besorgt. Sie wird hauptsächlich von Nutzern in Anspruch genommen, die wissenschaftliche Arbeiten anfertigen. 405 (37 mehr als im Vorjahr) Titelwünsche von Jülicher Nutzern wurden 1995 bibliographiert und auf den Weg geschickt. Davon konnten 355 Titel auch tatsächlich vermittelt werden. Die Stadtbücherei erhält jedoch auch Anfragen aus anderen Bibliotheken, 1995 waren es 44. Hier seien zwei besonders interessante Beispiele genannt:

  • Israel: Anfrage der Holocaust Martyrs' and Heroes' Remembrance Authority aus Jerusalem nach Vermittlung von Literatur über das Leben der Juden vor und während des 2. Weltkrieges in Jülich und Umgebung. Die Anfrage konnte durch Kopien aus unterschiedlichsten Bänden zufriedenstellend erledigt werden.

  • Japan: Ein Professor der Universität in Tokio, begeisterter Verehrer von Wilhelm Schirmer, suchte möglichst umfangreiche Literatur über den Jülicher Maler. Auf einer Auktion in Amsterdam ersteigerte er ein Bild von Schirmer und wollte nun selbst eine wissenschaftliche Arbeit über Leben und Werk des Malers schreiben. Auch diesen Wunsch konnte die Stadtbücherei erfüllen.

Das Angebot von Broschüren, die kostenfrei zur Mitnahme bereitgelegt werden, wurde 1995 wesentlich erhöht. Die Broschürensammlung erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Der Bezug der Broschüren ist auch für die Stadtbücherei kostenfrei. Das Sichten, Aussuchen und Bereitstellen der unterschiedlichen Titel ist jedoch zeitaufwendig und ist ein besonderes Dienstleistungsangebot für die Jülicher Nutzer.

Mit ihrem vielfältigen Veranstaltungsprogramm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und der intensiven Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten leistet die Stadtbücherei einen wichtigen Beitrag zur soziokulturellen Arbeit innerhalb der Stadt.

Benutzer und Benutzung

Das Diagramm zeigt, daß Sachbücher und Zeitschriften den größten Prozentsatz der Ausleihen ausmachen. Die Nutzung dieses Bereichs wird noch wesentlich höher, wenn die Frequentierung vor Ort mit berücksichtigt wird. Der gesamte Präsenzbestand (fast alle Nachschlagewerke), die neuesten Zeitschriftenhefte und alle Loseblattsammlungen sind nicht entleihbar und können nur vor Ort eingesehen werden. Diese Nutzung wird jedoch zahlenmäßig nicht festgehalten.

Das neue Angebot von Datenbanken auf CD-ROM wurde hauptsächlich von männlichen Nutzern gut angenommen. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich das elektronische Kursbuch und die Gesetze auf CD-ROM. Auch dieser Bestand ist nicht entleihbar.

Rege Nachfrage gab es bei den Ende November erstmals angebotenen Videospielfilmen für Erwachsene. Mit diesem Angebot erhofft die Bücherei auch potentielle Nutzer zu erreichen.

1995 war die Stadtbücherei an 245 Tagen ca 1.309 Stunden geöffnet. Die 27 Öffnungsstunden in der Woche wurden ab September auf 23 reduziert, um ein wenig Spielraum für die Eingabe von Titeln in die EDV zu gewinnen. Die Kürzung der Öffnungszeiten dürfte auch der Grund für den leichten Ausleihrückgang im Vergleich zum Vorjahr sein. 3.603 aktive Leser/innen entliehen im Jahresdurchschnitt 30 Medien. Von insgesamt 1.084 Neuanmeldungen entfielen 612 auf Erwachsene und 472 auf Kinder.

Benutzer und Neuanmeldungen 1994 und 1995 im Vergleich

  Aktive Benutzer (Entleiher) Neuanmeldungen
  1994 1995 1994 1995
Erwachsene 2.310 2.327 694 612
Kinder 1.236 1.276 449 472

Der Anteil der erwachsenen Entleiher hat geringfügig zugenommen, dafür sind die Neuanmeldungen gesunken. Bei den Kindern sind erfreulicherweise sowohl die Anzahl der Entleiher als auch die Zahl der Neuanmeldungen gestiegen. Das ist mit Sicherheit auf die rege Veranstaltungs- und Programmarbeit mit Kindern zurückzuführen, die aufgrund der Verlängerung der AB-Maßnahme Förderung der Leseerziehung auch 1995 mit viel Engagement durchgeführt werden konnte.

In oben gen. Statistik wurden nur die Entleiher/innen von Medien festgehalten. Besucherzählungen in den Vorjahren zeigten, daß der Anteil der Entleiher ca. 45% der tatsächlichen Nutzer der Bibliothek beträgt. Hochgerechnet auf 100% ergibt der tatsächliche Anteil der Nutzerinnen und Nutzer etwa 8.007, das sind 25% der Jülicher Bürger.

Personal und Finanzen

Trotz knapper Personalbesetzung begannen die Mitarbeiterinnen der Bücherei 1995 mit der Umstellung des Bestands auf EDV. Um diese zusätzliche Arbeit bewerkstelligen zu können, mußten die Öffnungszeiten von 27 auf 23 Stunden gekürzt werden. Unterstützt wurde die Bibliotheksarbeit bis zum 30.7. von zwei Halbtagskräften, die 100%ig vom Arbeitsamt getragen wurden. Das Arbeitsziel der AB-Maßnahme "Bestandspflege" konnte nicht erreicht werden, da die dafür eingestellte Assistentin sehr häufig wegen Krankheit fehlte. Um so erfolgreicher gestaltete sich die Arbeit der AB-Maßnahme "Leseerziehung", die mit einer Pädagogin besetzt wurde. Diese Maßnahme wurde um 1 Jahr verlängert, so daß die Grundlagenarbeit, die im 1. Jahr geleistet wurde, erfolgreich ausgebaut und weitergeführt werden konnte.

1995 wurden zwei Praktikantinnen in der Stadtbücherei ausgebildet: eine Schülerin absolvierte ihr Berufsfindungspraktikum und eine Studentin der FHBD Köln das 1. Praktikum im Rahmen der Ausbildung zur Dipl.-Bibliothekarin. Ab dem 1. August 1995 begann eine Auszubildende für den Beruf "Assistentin an Bibliotheken" ihre zweijährige Berufsausbildung in der Stadtbücherei. Um den Auszubildenden einen vielfältigen Einblick in das Berufsleben zu ermöglichen, arbeitet die Stadtbücherei in Kooperation mit der Zentralbibliothek des Forschungszentrums Jülich.

Finanziell wurde die Stadtbücherei 1995 von verschiedenen Seiten unterstützt. Die Summe der Fremdfinanzierung betrug insgesamt 51.000 DM (41.000 DM Landesmittel und 10.000 DM Spenden). Aufgrund dieser Tatsache konnte der Zuschußbedarf trotz Investitionsmaßnahmen für das neue EDV-System relativ niedrig gehalten werden.

  1993 1994 1995
Einnahmen 39.558,00 55.468,00 86.375,00
Ausgaben 429.273,00 424.637,00 487.666,00
Zuschußbedarf 389.715,00 369.169,00 401.291,00

Die Entwicklung der Lese- und Säumnisentgelte der letzten drei Jahre:

Einnahmen 1993 1994 1995
Leseentgelte 0 14.536 15.649
Säumnisentgelte 12.839 14.704 16.180

Der Überblick zeigt, daß die Tendenz der Einnahmen steigend ist.

Von den veranschlagten 80.000 DM Gesamtkosten für die EDV-Anlage wurden 65.000 DM 1995 verausgabt: 40.000 DM stellte die Stadt zur Verfügung, 15.000 DM das Land und 10.000 DM spendete die Kreissparkasse Düren. Von den fehlenden 15.000 DM konnte die Stadtbücherei aufgrund sparsamer Haushaltsführung 5.000 DM einsparen und die restlichen 10.000 DM wurden in den Haushalt 1996 Übertragen.

Zusätzliche Angebote im Medienbereich, die über den notwendigen Grundbestand hinausgehen und die Attraktivität der Bibliothek erhöhen, konnten fast ausschließlich über Sponsoren abgedeckt werden.

Ein erster Grundstock von ausgesuchten Videospielfilmen für Erwachsene wurde zu 75% vom Land im Rahmen einer Projektförderung finanziert. Sachvideos für vorwiegend schulische Zwecke erhielt die Stadtbücherei kostenfrei als Dauerleihe von der Landeszentrale für politische Bildung aus Düsseldorf. Von den 69 Zeitschriften-abonnements sind 17 Geschenkabos von Institutionen oder auch Jülicher Lesern. Das zusätzliche Angebot von 3 fremdsprachigen Zeitungen für Asylbewerber wurde 1995 vom Sozialamt gesponsert; für 1996 hat der Ausländerbeirat der Stadt Jülich die Finanzierung gesichert.

Besonders stolz ist die Stadtbücherei über die Leistungsbilanz in der öffentlichkeits- und Veranstaltungsarbeit. 95 Veranstaltungen konnten 1995 durchgeführt werden bei einem Veranstaltungsetat von 2.000 DM. Das war nur durch massive Unterstützung von außen finanzierbar. Das Land NRW übernahm die Finanzierung der Autorenlesung mit Ghazi Abdel-Qadir und der Ausstellung Österreich liest - Deutschland liest mit vollständig und bezuschußte die Veranstaltung mit Kirsten Hattinger. Die Kosten der beiden Veranstaltungen zur Thematik Musik und Lyrik konnten durch Sonderkonditionen ausgesprochen niedrig gehalten werden.

EDV

Ende 1994 beschloß der Kulturausschuß einstimmig die Einführung von EDV in die Stadtbücherei. Im Frühjahr 1995 genehmigte der Stadtrat die entsprechenden Mittel. Begonnen werden konnte mit der Eingabe der Titel in der letzten Augustwoche 1995.

Da bisher kein zusätzliches Personal zu Verfügung stand, wurden die öffnungszeiten der Stadtbücherei seit dem 1. Sept. von 27 auf 23 Stunden reduziert. Die gewonnenen 4 Stunden wurden mittwochs von allen Büchereimitarbeiterinnen für die Rekatalogisierung genutzt. Als weitere Zeitersparnis wurde die Übernahme von Fremddaten über die EKZ-CD-ROM geplant. Das anvisierte Arbeitsziel, 275 Titel in der Woche und somit 5.000 Titel bis zum Jahresende einzugeben, wurde leider aus folgenden Gründen nicht ganz erreicht:

  1. Bei der Installierung der Hardware stellte sich heraus, daß die beim Bau des Kulturhauses geplanten Leerrohre für die EDV-Anlage entweder fremdbelegt oder gar nicht vorhanden waren. So konnte die notwendige Vernetzung auch bis Ende '95 nicht vollzogen werden. Deshalb konnten von den vorgesehenen 9 EDV-Arbeitsplätzen anfangs nur 4 und später 5 benutzt werden.

  2. Die Erleichterung und Arbeitsreduzierung durch Fremddatenübernahme von der EKZ-CD-ROM war bisher nicht möglich, da die CD-ROM im Netzwerk nicht lief. Die Büchereimitarbeiterinnen hoffen, daß dieses Problem bald gelöst werden kann, da das eine große Arbeitserleichterung bedeuten würde. 1996 ist geplant, auch Fremddaten von der Deutschen Bibliothek Frankfurt zu übernehmen, damit eine weitere Zeitersparnis der Rekatalogisierung erfolgen kann.

Fazit des kurzen Erfahrungszeitraumes:

Wenn auch die Euphorie und Begeisterung der Bibliotheksmitarbeiterinnen durch einige Wermutstropfen getrübt worden ist, so behält insgesamt der Optimismus Oberhand: Der richtige und zukunftsweisende Weg ist beschritten worden.

Der leichte Ausleihrückgang aufgrund der gekürzten Öffnungszeiten muß vorübergehend hingenommen werden. Als Vorteil für die Nutzer hat sich herausgestellt, daß die seit September gekauften neuen Medien schneller im Bestand sind und das Bibliotheksangebot dadurch aktueller wird.

Öffentlichkeitsarbeit und Programmarbeit

Dank der Verlängerung der AB-Maßnahme Förderung der Leseerziehung konnte 1995 die im August des Vorjahres begonnene kontinuierliche Programmarbeit mit Kindern fortgesetzt werden.

  • Alle 14 Tage las eine Kindergärtnerin für Kinder von 5 bis 8 Jahren aus neuen Büchern vor. Das Gelesene wurde anschließend beim Malen, Basteln oder Spielen vertieft. Finanziert wurde die Honorarkraft vom Förderverein Stadtbücherei Jülich.

  • Die im Rahmen der AB-Maßnahme angestellte pädagogische Mitarbeiterin der Stadtbücherei pflegte die enge Zusammenarbeit zwischen Grundschulen und Kindergärten der Stadt und intensivierte auf vielfältige und phantasievolle Weise die Leseerziehung. Näheren Aufschluß über diese Tätigkeit gibt ein gesonderter Bericht.

Die enge Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten wird auch durch die große Anzahl der Blockausleihen belegt: 54 Blockausleihen mit 621 Titeln wurden im vergangenen Jahr zusammengestellt.

Es gab jedoch auch für Erwachsene einige herausragende Veranstaltungen: im März die überaus erfolgreiche "Lesung mit dem Teufelsgeiger", im Oktober die Ausstellung "Österreich liest - Deutschland liest mit" und im Dezember die Lyrik und Musik verbindende Veranstaltung "Wendezeichen" mit Prof. Kurt Roessler. Kleinere Ausstellungen zu wechselnden aktuellen Themen fanden regelmäßig das ganze Jahr über statt: teilweise mit und teilweise ohne ergänzende Titellisten.

Die Jahresbilanz der Öffentlichkeits- und Veranstaltungsarbeit 1995: 95 Veranstaltungen, die von 2.139 Teilnehmern besucht wurden. Die Besucher von Ausstellungen und Flohmärkten wurden nicht gezählt.

Nachfolgend eine Auswahl der wichtigsten Veranstaltungen:

3 Ausstellungen zu den Themen:

  • Österreich liest - Deutschland liest mit
  • Erziehungsratgeber (begleitend zur Veranstaltung der Kleinen Hände)
  • 100 Jahre Hindemith (in Kooperation mit der Musikschule)

Autorenlesungen mit Tino [d.i. Tino Bussalb], Ghazi Abdel-Qadir und Jenny Kollenberg

Musik und Lyrik

  • Lesung mit Bernd Krippl und dem Teufelsgeiger Thomas Kagermann
  • Wendezeichen - eine Lesung mit Prof. Kurt Roessler und Liedern von Brecht, Eisler, Becher, Demmler - in Zusammenarbeit mit Peer Kling (Studio-O-Film)

Ferienprogramm für Kinder in den Sommerferien

Gespensternacht für Kinder

Flohmärkte

Novitäten des Buchmarktes - vorgestellt von Kirsten Hattinger

Rundfunksendung öffentliche Bibliothek im Rahmen des Bürgerfunks bei Antenne AC am 05.02.95 - Beteiligung an der Gemeinschaftsarbeit der VHS-Alsdorf und des Lektoratskreises Aachen

Verzeichnisse und Berichte der Stadtbücherei 1995

  • Jahresbericht 1994. Januar 1995.

  • Neue Romane: mehrere Neuerscheinungslisten jährlich.

  • Astrologie: eine Auswahlliste. Juli/August 1995.

  • Das Bilderbuchkino - Stadtbücherei Jülich. Ein Verzeichnis über alle in Jülich vorhandenen Dia-Reihen mit Inhalts- und Anwendungsbeschreibungen. Erw. Aufl. Dezember 1995.

Statistik

  • Stadtbücherei Jülich im Überblick (Stand 31.12.95)

Gesamtbestand

(Hauptstelle im Kulturhaus und Zweigstelle Schulbibliothek in der Gemeinschaftshauptschule)

49.359 Medien

46.609
1.675
622
170
82
11
Bücher
Kassetten
CDs
Spiele
Zeitschriften
Zeitungen
2.638 Medien Gesamtzugang
2.455 Medien Abgang

Ausleihe 123.481 Medien
Fernleihe 405 Bestellungen über Fernleihe
davon 355 positiv erledigt

44 Bestellungen an die Stadtbücherei
davon 35 positiv erledigt

Aktive Leser
(d.h. Benutzer, die 1995 mindestens einmal Medien entliehen haben)
4.192 aktive Leser
davon 1.161 Neuanmeldungen

  • Aufteilung nach Haupt- und Zweigstelle

Hauptbücherei
(im Kulturhaus)
Bestand: 38.654 insgesamt

19.874
6.799
9.171
69
11
1.675
622
170
17
22
175
25
Sachliteratur
Romane
Jugendbücher
Zeitschriften
Zeitungen
Kassetten
CDs
Spiele
Mikrofichekataloge
Diareihen
Videos
Disketten und CD-ROM
Ausleihe: 108.582
Benutzer: 3.603

Zweigstelle
Schulbibliothek
Bestand: 10.785 insgesamt
davon 10.772 Bücher
und 13 Zeitschriften
Ausleihe: 14.899
Benutzer: 589

Die wichtigsten Statistikzahlen der letzten 3 Jahre im Vergleich in der Hauptstelle der Stadtbücherei:

  1993 1994 1995 Änderungen 94/95
Aktive Leser 3.809 3.546 3.603   1,6% +
Neuanmeldungen 1.229 1.143 1.084  5,2% -
Veranstaltungen 55 59 95 61,0% +
mit Personen 1.746 1.382 2.139 54,8% +


Welche Ziele wurden 1995 erreicht?

Im Bibliotheksentwicklungsplan 1993 wurden vier Hauptziele der Stadtbücherei Jülich benannt:

  1. Ausweitung der Nutzerkreise
  2. Erhöhung der Nutzerzufriedenheit
  3. Ausbau des allgemeinen Informationsbestandes
  4. Intensivierung der Bibliotheksarbeit mit Kindern

Was konnte die Stadtbücherei bis Ende 1995 von diesen Zielen verwirklichen?

Etwa 22% der Jülicher Bürgerinnen und Bürger konnten als Nutzer der Stadtbücherei gewonnen werden, davon 11% als aktive Entleiher. Das ist ein erfreuliches Ergebnis. Da die Bücherei jedoch im Herzen Jülichs liegt und somit gut erreichbar ist für die Einwohner der Stadt und die Besucher aus den Stadtgebieten, strebt die Stadtbücherei das Ziel an, mindestens 1/3 der Einwohner als aktive Nutzer zu gewinnen.

Die Nutzerzufriedenheit konnte aufgrund eines breiteren Angebots erhöht werden. Großer Beliebtheit erfreut sich das kostenfreie Broschürenangebot zu den unterschiedlichsten Themen. Der Ausbau des Audiovisuellen Medienbestands (CDs, Hörspielkassetten, Videos) erhöhte die Attraktivität der Bibliothek und somit die Nutzerzufriedenheit.

Der allgemeine Informationsbestand konnte auf aktuellem Stand gehalten werden und durch einige Datenbanken auf CD-ROM erweitert werden. In Zukunft ist der Aufbau eines CD-ROM-Bestands und das zusätzliche Angebot von Informationen auf der Basis von Multimedia geplant. Damit werden die verstärkte Nachfrage der Nutzer und das Marktangebot Berücksichtigung finden.

Das vierte Hauptziel, die Intensivierung der Bibliotheksarbeit mit Kindern, konnte als einziger Punkt bisher voll erreicht werden. Dies wurde durch die Verlängerung der AB-Maßnahme "Förderung der Leseerziehung" erreicht. Aufgrund dieser zusätzlichen Halbtagsstelle einer "Bibliothekspädagogin" konnte 1995 erstmals quantitativ und qualitativ optimale Leseerziehung und eine ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kindergärten und Bücherei durchgeführt werden. Diese Arbeit kann jedoch nicht nebenbei vom ständigen Personal geleistet werden. Somit wird mit Ablauf der AB-Maßnahme der erreichte Standard nicht zu halten sein.


Ausblick 1996

Für 1996 hat sich die Stadtbücherei viel vorgenommen. Hauptziel ist eine möglichst rasche Eingabe aller relevanten Daten in die EDV. Spätestens 1997 sollte die Ausleihverbuchung über EDV abgewickelt werden können.

Die Förderung der Leseentwicklung und die Programmarbeit mit Kindern ist bis Ende Juli 1996 gesichert. Eine Weiterbeschäftigung der engagierten Bibliothekspädagogin wäre optimal. Da dies nicht möglich sein wird, muß zwangsweise die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten reduziert werden.

Mit dem Ausbau des Videobestands und dem Angebot von CD-ROM und Multimedia möchte die Stadtbücherei 1996 neue Nutzerschichten (insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene) ansprechen und als Nutzer gewinnen. Die wissenschaftliche Literatur wird zunehmend auf digitalem Wege vermittelt und verbreitet. Die Bibliothek darf den Anschluß an diese Entwicklung nicht verpassen.



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Brückenkopf-Park Jülich
Stadtwerke Jülich
Stadtentwicklungsgesellschaft Jülich
Technologiezentrum Jülich
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