Stadtgeschichtliches Museum In Stellung GEHEN |
Stadtbildaktion zu Jülichs kriegerischem ErbeEröffnung des Projektes durch Bürgermeister Heinrich Stommel am 16.11.2000 |
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Begriffe wie Festung oder Festungsstadt suggerieren eine falsche Sicherheit, die von Jülichs Schicksal über die Jahrhunderte in Frage gestellt wurde. Silhouetten von Kanonen und Soldaten wurden in den letzten Tagen an solchen Stellen der Stadt aufgestellt, wo der Festungsbau bis heute nachwirkt. Diese Aktion des Museums ist eine Annäherung an das "Unterbewußtsein" unserer Stadt, hinterfragt fragwürdiges Sicherheitsdenken und ist damit zeitlos aktuell.
"In Stellung GEHEN" heißt die Aktion, die bewußt ab 16. November zum Jahrestag der Zerstörung Jülichs 1944 stattfindet. Der Titel verweist einmal auf die Ausstellung "Die Ästhetik des Krieges?", die von Mai bis Oktober in der Zitadelle gezeigt wurde. Aus dieser Präsentation stammen die Silhouetten, die nun in der Stadt an verschiedenen Punkten Stellung beziehen - eine kreative Form des Recycling.
"In Stellung GEHEN" ist aber auch eine Aufforderung und ein Angebot an die Menschen, die diesen großformatigen Hinweisen auf die Stadtgeschichte begegnen. Sie sollen verlockt werden entlang der Stadtspuren zu gehen und sich so die Stadt und ihre Geschichte ein Stück vertrauter zu machen. Das Museum kommt zu den Bürgern.
Die einzelnen Stationen sind vor Ort beschriftet, wobei jeweils die letzte und nächste Station genannt ist, um auf den weiteren Weg hinzuweisen. Wer direkt den Überblick sucht, dem schildert ein einfaches Faltblatt den gesamten Rundweg von 20 Stationen - erhältlich in den Rathäusern, bei Jülich Information und im Museum. Die Pulvermagazine in Brückenkopf und Zitadelle bilden dabei die Endpunkte, wo Informationen über das Gesamtprojekt bereitstehen.
Hintergrundinformationen durch historische Karten und Fotos hält die Internet-Präsentation bereit, mit deren Inbetriebnahme die Aktion heute eröffnet wird. Die Wahl dieses Mediums steht für mehr als nur für die technische Möglichkeit. Das Museum wendet sich mit der Aktion bewußt auch an die Zielgruppe der "Nicht-44er", der Nachgeborenen also, die die Ereignisse des 16.11.1944 nicht mehr mit eigenem Erleben verknüpfen können. Sie gehören zu den Hauptnutzern des neuen Mediums Internet. Um besonders auch ihnen einen Zugang zum Erbe und der speziellen Prägung unserer Stadt zu eröffnen, wurde dieser Zugang installiert. Wenn wir behaupten, daß die Zerstörung von 1944 für uns heute noch ein relevantes Ereignis ist - denken Sie nur an das Stadtbild der 50ger Jahre, daß uns täglich unbewußt umgibt - müssen wir Beispiele bieten können, die solche Langlebigkeit von Prägungen deutlich macht. Das nachwirkende Erbe der Festungsbaugeschichte bis ins heutige Stadtbild ist so ein eindrückliches Zeugniss. Letztlich lernen wir daraus, was für einen langen Atem wir brauchen, um die Strukturen, aus denen heutige Konflikte sich entwickelt haben, dauerhaft zu überwinden: Balkan, Naher Osten, Nordirland - die Liste könnte lange fortgesetzt werden, auch Extremismus und Rechtsradikalismus in Deutschland ständen darauf. Lassen wir uns durch die Langsamkeit von Entwicklungen nicht entmutigen, immer wieder die Schritte zu tun, die wir selbst dazu tun können!
Letztlich gilt für die Entwicklung einer Stadt das gleiche wie für einen jeden Menschen. Prägungen sind zwar Vorgaben, legen uns aber nicht fest, uns auch weiter so entwickeln zu müssen. Die nun schon jahrzehntelangen Tradition als nicht-militärische Stadt kann in Jülich durch einen Blick zurück noch gestärkt werden. Dafür wünsche ich uns: "In Stellung GEHEN!" |
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| Diese Seite wurde erstellt von Christoph Fischer (Stadtgeschichtliches Museum) | (cfi) |