GEMALTE SEHNSUCHT – DIE ERFOLGSGESCHICHTE DER DÜSSELDORFER LANDSCHAFTSMALEREI

Ausstellung in der Landschaftsgalerie des Museums Zitadelle im Kulturhaus, Kleine Rurstraße 20

7. Mai - 16. Oktober 2022, nur Sa/So 11 - 17 Uhr

Eröffnung Mi, 4.5., 19 Uhr; Kuratorenführungen: Do, 9.6., Fr, 8.7., Di, 9.8., Mi, 7.9. und Do, 6.10.2022 jeweils 19 Uhr

Die Düsseldorfer Malerschule hatte ihre größten Erfolge in der Landschafts- und Genremalerei. Ideale Landschaften und dörfliches Leben bieten als Motive einer Gesellschaft im Umbruch Zuflucht in einem Sehnsuchtsraum, der als Kompensation von Folgen der Industrialisierung und Verstädterung entsteht. Spezialisierung und Effektivitätssteigerung lassen sich nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Malerei beobachten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben die Düsseldorfer Künstler ein weit verzweigtes Vertriebsnetz etabliert, das mit dem Amerikahandel einen wichtigen Wachstumsmarkt erschließt.

Die Ausstellung in der wiedereröffneten Landschaftsgalerie im Museum Kulturhaus fokussiert auf die Entstehung der Gemälde. Zunächst musste die Landschaftsmalerei als akademische Kunstgattung um ihre Anerkennung als eigenständiges Fach kämpfen. Daher folgte sie den allgemeinen Erwartungen an die bildende Kunst: Allein die realistische Wiedergabe der Natur war nicht erstrebenswert, erst der Ausdruck einer höheren Idee erhob die Darstellung zum Kunstwerk.

So gingen die Maler zwar raus in die Natur, um unter freiem Himmel Studien der Natur anzufertigen, aber erst im Atelier wurden diese zu einer Gesamtkomposition zusammengefügt. Es entstanden Sammlungen von Studienmotiven, die immer wieder für neue Kompositionen im Atelier verwendet werden konnten.

Der ab 1839 erste Professor für Landschaftsmalerei an der Düsseldorfer Kunstakademie, der in Jülich geborene Johann Wilhelm Schirmer (1807-1863) etablierte die Freilicht-Ölstudien-Malerei als zentralen Punkt der Ausbildung, so dass es zum schulbildenden Kriterium der international erfolgreichen Düsseldorfer Landschaftsmalerei wurde. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wuchs die Bedeutung und Anerkennung der Pleinairmalerei und damit die Wertschätzung der Freilichtstudien als autonome Kunstwerke.

Die beiden Ausstellungsräume im Kulturhaus sind der Dualität von Studienmalerei in der Natur und der Atelierarbeit mit ihren Motivkompositionen gewidmet. Die dabei entstehenden Ideallandschaften hatten im Laufe des 19. Jahrhunderts verschiedene Schwerpunkte.

Vorbildhaft galten Landschaften der alten Meister wie der Niederländer Jacob van Ruisdael (1628-1682) oder die französischen Maler des Barock in Rom Claude Lorrain (1600-1682) oder Gaspard Dughet.(1615-1675).

Italien galt in Deutschland als Sehnsuchtsland schlechthin und ist entsprechend häufig Thema von gemalten Ideallandschaften. Die Alpenbegeisterung erzeugte ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine wahre Bilderflut, während die Begeisterung für den Norden seinen Schwerpunkt erst Ende des Jahrhunderts erreichte.
Alle diese Motivlandschaften sind in der Ausstellung mit eindrucksvollen Werken auf einer Wand präsent. In dem Raum der Studien-Sammlung ist ein facettenreicher Querschnitt durch die Freilichtmalerei der Düsseldorfer Landschafter ab Schirmer bis zum Jahrhundertende gegeben. Sowohl bei den Studien wie den Kompositionen finden sich einige wenige Werke von Künstlerinnen. Frauen war es bis 1918 nicht erlaubt offiziell zu studieren und nur wenige Talentierte konnten sich mit Privatunterricht ausbilden und auf dem Kunstmarkt etablieren.


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