Bildgewaltig

Fotos der Zerstörung Jülichs

Ausstellung im Schlosskeller der Zitadelle

8. November 2019 - 8. Mai 2020

Eröffnung der Ausstellung am Freitag, den 8. November 2019, um 19:30 in der Schlosskappelle. Mit einem Vortrag von Thomas Hax-Schoppenhorst.

Die Bombardierung Jülichs am 16. November 1944 und der folgende, mehr als dreimonatige Artilleriebeschuss gehören zu den einscheidensten Ereignissen der Geschichte unserer Gemeinde. Der vom faschistischen Deutschland heraufbeschworene totale Krieg kehrte mit aller Härte zu seinem Ursprung zurück: Die einst so stolze Stadt war wüst und leer. Jülich gelangte dadurch ebenso wie Düren oder der Hürtgenwald zu trauriger Berühmtheit. Dies schlägt sich in zeitgenössischen Fotografien nieder, die den Krieg, die Zerstörung und das Leben in den Trümmerlandschaften nach Kriegsende dokumentieren. Bedeutende Fotografinnen und Fotografen waren in Jülich aktiv. Zu nennen sind die Amerikanerin Margaret Bourke-White, die die Zerstörung in eindrucksvollen Luftbildern festhielt, oder der Deutsche Hermann Claasen, der ikonenhafte Bilder, etwa des zerstörten Hexenturms, schuf.

Diese Fotografien geben uns heute eine Vorstellung von den Folgen der Wucht des Krieges, regen aber auch dazu an, die Frage nach der Objektivität des fotografischen Blicks zu diskutieren. Daher hat das Museum Zitadelle die Ausstellung „Bildgewaltig“ organisiert, in der zahlreiche, aussagekräftige Bilder samt historischen Erläuterungen zu sehen sein werden.

Zur Eröffnung am 8. November findet um 19:30 in der Schlosskapelle ein Vortrag von Thomas Hax-Schoppenhorst von der LVR-Klink Düren statt, der sich mit den psychologischen Auswirkungen der Strategie des sog. Moral Bombing befasst, die sich bis in unsere Gegenwart hinein erstrecken.

Entsprechend dem Konzept des Oberbefehlshabers des englischen Bomber Command, Arthur Harris, ging man immer in zwei Schritten vor: Erst wurden „gewöhnliche“ sowie größere, tonnenschwere Bomben abgeworfen, um die Dächer der Häuser abzudecken und der Feuerwehr durch Trümmer den Weg zu versperren. Danach folgten die chemisch optimierten Brandbomben, die einen Feuersturm entfachen sollten, der die Stadt vernichtet. In der Konsequenz fanden Leipziger Wissenschaftler noch im Jahr 2011 bei zwölf Prozent der über 70-jährigen Deutschen Anzeichen einer Traumatisierung. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass Menschen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, noch heute an den späten Folgen von Bombenangriffen, Vergewaltigung, Vertreibung, Verlust von Angehörigen, Inhaftierung oder anderen Kriegshandlungen leiden. Solche Untersuchungen machen deutlich, dass der Krieg nicht mit einem Friedensschluss endet, sondern noch Jahrzehnte in den Beteiligten nachwirkt.


Die Ausstellung Bildgewaltig ist Teil des Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms Bombenkrieg und „Befreiung“ an der Rur - Zwischen „Führer“ und Freiheit von Museum Zitadelle Jülich, Stadt- und Kreisarchiv Düren und VHS Jülicher Land.


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