August Albrecht - Gründer und Seele des Vereins
"Alle
kennen ihn, diesen unruhigen, grauhaarigen Mann aus der Saarstraße. Bergmann
von Beruf, Vertreter der bergmännischen Tradition aus Berufung.
Wenn irgend jemand
ihn suchen und finden will, braucht er nur durch unseren Ort zu wandern, überall
sind seine Spuren zu finden. Ob es die Seilscheibe am Römerpark und in
Siersdorf, die ausgestellten Arbeitsgeräte in der Jülicher Straße
und am Ortsausgang Richtung Schleiden, die Wagen am Friedhof oder im Industriegebiet,
auf dem Spielplatz in der Saarstraße, wie auch am Aldenhovener Rathaus,
sie alle tragen die Handschrift von August Albrecht. Alles Erinnerungstücke
aus einer langen Zeit, die unseren Ort, unser Aldenhoven, geprägt hat,
es wachsen ließ, mit am Leben erhielt, bis auf den heutigen Tag. Krönung
und Glanzstück seines bisherigen Schaffens innerhalb des Traditionsvereins
ist das Bergmannsdenkmal, mitten in Aldenhoven.
Wir erinnern uns an all die Mühe, an all die Kämpfe, die er ausgefochten hatte, die hinein getragen wurden, bis in seine Familie, was manchen von uns bewogen hätte, aufzugeben. Was ist das für ein Mensch, warum genießt er nicht seinen wohlverdienten Ruhestand?
Wie viele seiner ehemaligen Arbeitskollegen hat er lange Jahre auf der Kull in Siersdorf gearbeitet. Ein harter Job, kaum vorstellbar, für viele seiner Kritiker, die keinen blassen Schimmer davon haben, was es bedeutet, unter Tage bei hochsommerlichen Temperaturen und extrem hoher Luffeuchtigkeit zu arbeiten. Hier wurden keine Bleistifte angespitzt, körperlicher Einsatz war an der Tagesordnung, dazu der permanenten Gefahr ausgesetzt, lebendig unter tonnenschwerem Gestein begraben zu werden, oder durch eine Schlagwetterexplosion, tausend Meter unter der Erdoberfläche zu sterben.
Manch ein Bergmann hat
solches mit angesehen, hat Kameraden, oder gar Freunde unter Tage verloren.
Kein Grund also, den Beruf des Bergmannes zu verherrlichen. Aber er hat diese
Männer zusammengeschweißt. Sie sind - ohne Ausnahme - etwas einmaliges
in unserer Gemeinde. Sie gilt es, trotz der Schließung von Emil Mayrisch,
nicht zu vergessen.
Nach dem Krieg sind sie
gekommen und haben sich angesiedelt in Aldenhoven, Häuser gebaut. Deutsche,
Spanier, Italiener, Marokkaner und viele Menschen aus der Türkei. Bauern
und Geschäftsleute haben von Ihnen, von ihrem Geld, das sie unter Tage
verdient haben, kräftig profitiert.
Sie haben ihre Geschichte
und ihre Kultur aus ihrer Heimat mitgebracht, und Aldenhoven zu dem gemacht,
was es heute ist. Sie und ihre Frauen und Kinder gestalten bis auf den heutigen
Tag das Vereinsleben in unserem Ort in nicht unerheblichem Maß mit.
Bergmänner und ihre
Kinder sind im Gemeinderat auch heute vertreten. Die Evangelische Kirchengemeinde
verdankt ihre Existenz in einem katholisch geprägten Landstrich dem Zuzug
vieler Menschen, die im Bergbau ihren Lebensunterhalt bestritten.
Die kulturelle Vielfalt
in Aldenhoven ist ohne den EBV und deren Menschen, die ihr angehörten,
nicht denkbar.
Bergbau ist bei uns ohne
den Tageabbau der Braunkohle nur ein Teil unserer jüngeren Geschichte.
Viele Bergleute fanden nach der Schließung von Emil Mayrisch bei der Rheinbraun
eine neue Arbeit.
Auch auf diesem Gebiet
ist August Albrecht rührig geworden. Er hat es verstanden, Untertage- und
Tageabbau im Traditionsverein zu integrieren. Beides gehört in Aldenhoven
zusammen.
Wenn also heute oder in
Zukunft, in 50, 60 Jahren, Menschen am Bergmannsdenkmal stehen, dann sollen
sie wissen, daß dieser bronzene Zeuge der Geschichte, nebenbei bemerkt,
einer friedlichen Geschichte, ohne Helden einer fragwürdigen kriegerischen
Auseinandersetzung zwischen den Völkern, hauptsächlich auf die Initiative
eines Mannes zurückzuführen ist, nämlich August Albrecht.
Der Gründer
des bergmännischen Traditionsverein hat sich verdient gemacht. Um Aldenhoven?
Ich weiß es nicht, aber um die Menschen, rund um den Bergbau.
Ihnen allen hat er ein Denkmal gesetzt. Ihnen allen gilt seine Arbeit, sein
Einsatz gegen alle Widrigkeiten.
An dieser Stelle ist es notwendig geworden, dem Bergmann August Albrecht Anerkennung
zu zollen, und Dankeschön zu sagen. Es ist gut zu wissen, daß es
ihn gibt in Aldenhoven.
Glück Auf, August!
Rainer Neger"
aus: "Der Anschläger". Mitteilungsblatt des Bergmännischen Traditionsvereins für Stein- u. Braunkohle "Glück-Auf" Aldenhoven e.V., September 1995/Ausgabe 3