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29.01.2026 | Pressestelle (allgemein)

Erste Stolpersteine in Jülich verlegt

PR 057 - Erste Stolpersteine in Jülich verlegt 01.jpg
Vor drei Häusern in der Kölnstraße und der Marktstraße wurden die
ersten Stolpersteine in Jülich unter großer Anteilnahme und im
Beisein von Familienangehörigen verlegt.
Fotos: Stadt Jülich/Gisa Stein

Würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Mit einer bewegenden Zeremonie wurden am heutigen Tag die ersten Stolpersteine in der Stadt Jülich verlegt. Der Künstler Gunter Demnig setzte vor den Häusern Kölnstraße 38, Kölnstraße 30 und Marktstraße 11 die Erinnerungssteine in das Pflaster ein.

Rund 300 Menschen nahmen an der Verlegung teil, darunter Angehörige der Opfer, Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Gemeinde, Schülerinnen und Schüler beteiligter Schulen sowie Mitglieder des Rotary Clubs, der die Finanzierung und Recherche maßgeblich unterstützt hatte.

Bereits am Vorabend stellte Gunter Demnig in einem Vortrag in der Schlosskapelle der Zitadelle das europaweite Stolpersteinprojekt vor. Die kleinen Gedenksteine – 96 x 96 x 100 Millimeter große Messingplatten, eingelassen in Beton – werden vor den Wohnhäusern angebracht, in denen die Opfer des Nationalsozialismus zuletzt freiwillig lebten. Sie erinnern im öffentlichen Raum an verfolgte und ermordete Menschen und holen die Erinnerung bewusst in den Alltag zurück.

Der Ausschuss für Kultur, Dorf- und Stadtentwicklung sowie Wirtschaftsförderung der Stadt Jülich beschloss im April 2025 einstimmig, auch in Jülich Stolpersteine zu verlegen. Mehrere Organisationen und Schulen hatten zuvor ihr Interesse an einer Beteiligung bekundet. In enger Kooperation mit dem Stadtarchiv bereiteten der Rotary Club Jülich sowie Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Haus Overbach die Verlegung der ersten Steine mit großem Engagement vor.

Bürgermeister Axel Fuchs betonte in seinem Grußwort: „Wir tragen die Erinnerung an das jüdische Leben in Jülich mitten in die Stadt. Damit machen wir jüdisches Leben in Jülich noch stärker sichtbar. Als Bürgermeister unserer Stadt freue ich mich, dass die Unterstützung dieser Initiative von den politischen Gremien einstimmig beschlossen wurde.“

Gereon Langen vom Rotary Club erläuterte die Motivation des Clubs: „Die Stolpersteine sehen wir als Mahnung und Auftrag zugleich. Als Mahnung, auch heute die Systematik der Stigmatisierung zu erkennen, und als Auftrag, dieser Ausgrenzung entgegenzutreten. Wir haben bewusst junge Menschen eingebunden, damit auch der nächsten Generation diese Mechanismen bewusst werden. Die Stolpersteine bringen das Gedenken zurück in unsere Straßen – vor die Häuser, in denen Menschen lebten: als Nachbarn, als Freunde, mitten unter uns. Wir möchten jedem einzelnen Opfer seinen Namen und ein Stück seiner Würde zurückgeben.“

An den drei Verlegeorten wurden Lieder und Gebete vorgetragen. Schülerinnen und Schüler stellten die Biografien der Familien vor, die dort einst gelebt hatten. Die Anwesenden zeigten sich sichtlich bewegt, eine solidarische und würdige Atmosphäre prägte die Veranstaltungen. Familienangehörige, die teils aus den USA und aus Israel angereist waren, legten Blumen nieder und richteten bewegte und bewegende Worte an die Teilnehmenden.

Rabbi Kaplan unterstrich in seiner Rede die Bedeutung der Erinnerung: „Erinnerung ist nicht nur Rückblick. Sie ist Verantwortung. Der Stein liegt dort, wo das Leben war – mitten in der Stadt. Wenn wir uns heute bücken, um zu lesen, dann bücken wir uns nicht vor dem Boden, sondern vor einem Namen, vor einem Leben. Dass Jülich heute die ersten Stolpersteine verlegt, ist ein bedeutender Schritt. Eine Stadt übernimmt Verantwortung für ihre Geschichte – gemeinsam mit jungen Menschen. Möge dieser Anfang weitergehen: Stein für Stein, Name für Name. Nicht um Schuld zu verwalten, sondern um Menschlichkeit zu stärken.“

Auch Sarah Yael Basic, Repräsentantin der Jüdischen Gemeinde, machte deutlich: „Das Töten begann nicht erst im Konzentrationslager. Es begann hier: mit Wegsehen, mit Schweigen, mit der Normalisierung von Ausgrenzung. Deshalb liegen diese Stolpersteine mitten im Alltag. Sie zwingen uns, kurz innezuhalten. Sie fragen nicht: Schau, wie schlimm es war. Sie fragen: Was tust du heute? Unrecht beginnt im Kleinen – aber Verantwortung auch. Hier. Heute. Jetzt.“

Im Anschluss an die Verlegung fand ein Empfang im Rathaus statt. Rudolf Hannot begrüßte die Gäste im Namen des Rotary Clubs. Bürgermeister Axel Fuchs sprach von einem „sehr guten Tag für die Stadt Jülich“ und dankte insbesondere den Rotariern, den beteiligten Schulen sowie Susanne Richter vom Stadtarchiv, die gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern intensiv recherchiert und zahlreiche historische Informationen zusammengetragen hatte.

Den Nachkommen der jüdischen Familien Voss und Horn, denen die ersten Stolpersteine in Jülich gewidmet sind, wurden Präsente überreicht, darunter ein Buch über die Stadt Jülich sowie eine gebundene Dokumentensammlung mit den im Stadtarchiv erarbeiteten Forschungsergebnissen. Ein Eintrag in das Goldene Buch der Stadt gehörte ebenfalls zum Programm. Besonders bewegend war, dass einige Gäste bei der Durchsicht älterer Einträge die Unterschriften ihrer Vorfahren fanden, die Jülich vor rund 40 Jahren besucht hatten.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen nahmen die jüdischen Familien an einer besonderen Stadtführung teil. Gästeführerin Mariele Egberts und Stadtarchivarin Susanne Richter führten die Besucherinnen und Besucher zu den Orten, die für die Familien von Bedeutung waren. Ein Besuch im Stadtarchiv, in dem die Lebensgeschichten ihrer Angehörigen dokumentiert sind, bildete den Abschluss eines Tages, der auf beiden Seiten in guter Erinnerung bleiben wird.

Bilder (PDF)

Erste Stolpersteine in Jülich verlegt

Würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Öffnungszeiten der Stadtverwaltung an den Karnevalstagen 2026

12. – 18.02.2026

Sitzung des Ausschusses für Jugend, Familie, Integration, Soziales, Schule und Sport

05.02.2026, 18 Uhr, Großer Saal im Neuen Rathaus

Straßenbauarbeiten in Bourheim

Verkehrseinschränkungen ab dem 02.02.2026 bis voraussichtlich 30.04.2026

Veranstaltungskalender

Februar 2026

Friedhofsamt weiter nur eingeschränkt erreichbar

Voraussichtlich bis Ende Februar 2026

Neuland Hambach: Aussichtsturm Rheinisches Revier

Neue Landmarke für die Sophienhöhe: Siegerentwurf steht fest

Qualität der VHS erneut bestätigt

Gutachterin Lieselotte Berthold überreichte am 21. Januar das Testat

Ehrenamtlicher Einkaufsdienst

Neue Helferinnen und Helfer gesucht

Ehrenamtlicher Reparaturdienst „Senioren helfen Senioren“

Unterstützung bei kleinen Reparaturen im Haus


29.01.2026 | Pressestelle (allgemein)

Erste Stolpersteine in Jülich verlegt

PR 057 - Erste Stolpersteine in Jülich verlegt 01.jpg
Vor drei Häusern in der Kölnstraße und der Marktstraße wurden die
ersten Stolpersteine in Jülich unter großer Anteilnahme und im
Beisein von Familienangehörigen verlegt.
Fotos: Stadt Jülich/Gisa Stein

Würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Mit einer bewegenden Zeremonie wurden am heutigen Tag die ersten Stolpersteine in der Stadt Jülich verlegt. Der Künstler Gunter Demnig setzte vor den Häusern Kölnstraße 38, Kölnstraße 30 und Marktstraße 11 die Erinnerungssteine in das Pflaster ein.

Rund 300 Menschen nahmen an der Verlegung teil, darunter Angehörige der Opfer, Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Gemeinde, Schülerinnen und Schüler beteiligter Schulen sowie Mitglieder des Rotary Clubs, der die Finanzierung und Recherche maßgeblich unterstützt hatte.

Bereits am Vorabend stellte Gunter Demnig in einem Vortrag in der Schlosskapelle der Zitadelle das europaweite Stolpersteinprojekt vor. Die kleinen Gedenksteine – 96 x 96 x 100 Millimeter große Messingplatten, eingelassen in Beton – werden vor den Wohnhäusern angebracht, in denen die Opfer des Nationalsozialismus zuletzt freiwillig lebten. Sie erinnern im öffentlichen Raum an verfolgte und ermordete Menschen und holen die Erinnerung bewusst in den Alltag zurück.

Der Ausschuss für Kultur, Dorf- und Stadtentwicklung sowie Wirtschaftsförderung der Stadt Jülich beschloss im April 2025 einstimmig, auch in Jülich Stolpersteine zu verlegen. Mehrere Organisationen und Schulen hatten zuvor ihr Interesse an einer Beteiligung bekundet. In enger Kooperation mit dem Stadtarchiv bereiteten der Rotary Club Jülich sowie Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Haus Overbach die Verlegung der ersten Steine mit großem Engagement vor.

Bürgermeister Axel Fuchs betonte in seinem Grußwort: „Wir tragen die Erinnerung an das jüdische Leben in Jülich mitten in die Stadt. Damit machen wir jüdisches Leben in Jülich noch stärker sichtbar. Als Bürgermeister unserer Stadt freue ich mich, dass die Unterstützung dieser Initiative von den politischen Gremien einstimmig beschlossen wurde.“

Gereon Langen vom Rotary Club erläuterte die Motivation des Clubs: „Die Stolpersteine sehen wir als Mahnung und Auftrag zugleich. Als Mahnung, auch heute die Systematik der Stigmatisierung zu erkennen, und als Auftrag, dieser Ausgrenzung entgegenzutreten. Wir haben bewusst junge Menschen eingebunden, damit auch der nächsten Generation diese Mechanismen bewusst werden. Die Stolpersteine bringen das Gedenken zurück in unsere Straßen – vor die Häuser, in denen Menschen lebten: als Nachbarn, als Freunde, mitten unter uns. Wir möchten jedem einzelnen Opfer seinen Namen und ein Stück seiner Würde zurückgeben.“

An den drei Verlegeorten wurden Lieder und Gebete vorgetragen. Schülerinnen und Schüler stellten die Biografien der Familien vor, die dort einst gelebt hatten. Die Anwesenden zeigten sich sichtlich bewegt, eine solidarische und würdige Atmosphäre prägte die Veranstaltungen. Familienangehörige, die teils aus den USA und aus Israel angereist waren, legten Blumen nieder und richteten bewegte und bewegende Worte an die Teilnehmenden.

Rabbi Kaplan unterstrich in seiner Rede die Bedeutung der Erinnerung: „Erinnerung ist nicht nur Rückblick. Sie ist Verantwortung. Der Stein liegt dort, wo das Leben war – mitten in der Stadt. Wenn wir uns heute bücken, um zu lesen, dann bücken wir uns nicht vor dem Boden, sondern vor einem Namen, vor einem Leben. Dass Jülich heute die ersten Stolpersteine verlegt, ist ein bedeutender Schritt. Eine Stadt übernimmt Verantwortung für ihre Geschichte – gemeinsam mit jungen Menschen. Möge dieser Anfang weitergehen: Stein für Stein, Name für Name. Nicht um Schuld zu verwalten, sondern um Menschlichkeit zu stärken.“

Auch Sarah Yael Basic, Repräsentantin der Jüdischen Gemeinde, machte deutlich: „Das Töten begann nicht erst im Konzentrationslager. Es begann hier: mit Wegsehen, mit Schweigen, mit der Normalisierung von Ausgrenzung. Deshalb liegen diese Stolpersteine mitten im Alltag. Sie zwingen uns, kurz innezuhalten. Sie fragen nicht: Schau, wie schlimm es war. Sie fragen: Was tust du heute? Unrecht beginnt im Kleinen – aber Verantwortung auch. Hier. Heute. Jetzt.“

Im Anschluss an die Verlegung fand ein Empfang im Rathaus statt. Rudolf Hannot begrüßte die Gäste im Namen des Rotary Clubs. Bürgermeister Axel Fuchs sprach von einem „sehr guten Tag für die Stadt Jülich“ und dankte insbesondere den Rotariern, den beteiligten Schulen sowie Susanne Richter vom Stadtarchiv, die gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern intensiv recherchiert und zahlreiche historische Informationen zusammengetragen hatte.

Den Nachkommen der jüdischen Familien Voss und Horn, denen die ersten Stolpersteine in Jülich gewidmet sind, wurden Präsente überreicht, darunter ein Buch über die Stadt Jülich sowie eine gebundene Dokumentensammlung mit den im Stadtarchiv erarbeiteten Forschungsergebnissen. Ein Eintrag in das Goldene Buch der Stadt gehörte ebenfalls zum Programm. Besonders bewegend war, dass einige Gäste bei der Durchsicht älterer Einträge die Unterschriften ihrer Vorfahren fanden, die Jülich vor rund 40 Jahren besucht hatten.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen nahmen die jüdischen Familien an einer besonderen Stadtführung teil. Gästeführerin Mariele Egberts und Stadtarchivarin Susanne Richter führten die Besucherinnen und Besucher zu den Orten, die für die Familien von Bedeutung waren. Ein Besuch im Stadtarchiv, in dem die Lebensgeschichten ihrer Angehörigen dokumentiert sind, bildete den Abschluss eines Tages, der auf beiden Seiten in guter Erinnerung bleiben wird.

Bilder (PDF)

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