Barmener See

Das Gebiet des Barmener Sees dient der stillen Erholung der Bevölkerung sowie dem Schutz der Natur. 

Der Barmener See entstand durch Kiesgewinnung in der Ruraue. Auf den Drieschweiden begann die großflächige Abgrabung und Auskiesung in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Kiesgewinnung und somit auch die Gestaltung und Strukturierung des Gewässers endete in den achtziger Jahren, Anfang 1995 wurde auch die Kiesverarbeitung und Betonherstellung eingestellt und die Betriebsstätte aufgegeben.

In den siebziger und achtziger Jahren war der normale Wasserspiegel des Sees deutlich niedriger als heute und ein hydraulischer Ablauf aus dem See fand nur nach einer starken Regenperiode oder einem Rurhochwasser statt. Durch die überall vorhandenen Sand- und Kiesschichten im Untergrund, drückte die Rur jedoch schon immer bei einem Hochwasser in den See hinein.

Der normale Wasserstand der sich früher regelmäßig über den Sommer einstellte, befand sich aber rund einen halben Meter unter dem heute üblichen Seepegel.

Die geografische Lage in der Ruraue und die unmittelbare Nähe zum Fluss, führten bei einem sehr starken Hochwasser jedoch ganz unweigerlich zur Flutung des Sees. Die gesamte Ruraue, hier größtenteils eine Allmende, wurde seit jeher als Pappeldriesch genutzt und hatte durch die regelmäßigen Hochwässer überwiegend eine gleichmäßige Oberfläche, ohne Erhöhungen oder Dämme. Somit gehörte das Areal des heutigen Sees schon immer zu den Überflutungsflächen.

Bis zu Beginn der 1990er Jahre drang die Rur unregelmäßig und immer nur von Osten her über den Broicher Driesch in den Barmener See ein. Die dabei entstandenen Erosionsrinnen wurden zu Anfang noch teilweise nach den Ereignissen verfüllt, zum einen um den See und die Rur wieder zu trennen, aber zum anderen auch um die noch vorhandenen Wirtschaftswege im Driesch um den See wiederherzustellen. Da diese massiven Auswirkungen aber in den 1980er Jahren zur Regel wurden, waren die Hochwasser am Ende häufiger als die notwendigen Baumaßnahmen zur Wiederherstellung.

Auf der Nördlichen Seite des Sees war die Rur bislang noch nicht eingedrungen, sie mäandrierte jedoch immer näher an den See heran und der trennende Damm wurde von Hochwasser zu Hochwasser immer schmäler. Beim Winterhochwasser im Dezember 1993 brach die Rur auf der nördlichen Seite des Sees ein, verlegte ihren Flusslauf nachhaltig und floss dann auch nach Rückgang des Hochwassers dauerhaft durch den See. Nur noch ein geringer Teil der Rur floss noch durch ihr angestammtes Bett in Richtung Mündung. Der Großteil hob den Seepegel deutlich an, überflutete nun den Barmener Driesch und schnitt dadurch auch Wege und Brücken ab.

Mit einer provisorischen Baumaßnahme wurde im Oktober 1994 der Rurmäander oberhalb der Eintrittsstelle durchstoßen um die gesamte Rur wieder in ihr Bett zu lenken und dadurch weiterhin auch die Durchbruchstelle trocken zu legen. Somit endete erst nach fast einem ganzen Jahr das dauerhafte Eindringen und Durchströmen der Rur in den Barmener See.

Nun wurde geplant die Rur dauerhaft in ihrem angestammten Flussbett zu halten und für die Zukunft weitere unkontrollierte Einbrüche in den Barmener See zu unterbinden, welche bisher immer mit sehr großen Erosionen einhergingen. Gleichzeitig wurde aber auch geplant die Fläche des Sees zukünftig kontrolliert im Hochwasserschutz für die Region einzusetzen. Die darauffolgenden Baumaßnahmen zur Rückführung der Rur in ihr Flussbett begannen im Oktober 1995 und fanden ihren Abschluss im April 1996.

Seit dem Jahre 1996 wird der Barmener See nun regelmäßig, in manchen Jahren auch mehrfach, durch Rurhochwasser geflutet.

Durch die Starkregen- und Hochwasserkatastrophe vom Juli 2021 hat sich die hydrologische Situation zwischen der Rur und dem Barmener See nach rund 25 Jahren jedoch grundlegend verändert. Die Flutmulde und ein Großteil des zugehörigen Areals der Retentionsfläche sind seitdem regelmäßig über viele Monate im Jahr vernässt und oft gar bis zur Krone des Zulaufbauwerks am See eingestaut. Dadurch ist die Funktion der Retention in der meisten Zeit des Jahres überhaupt nicht mehr gegeben und die Rur dringt viel häufiger und länger anhalten, als früher in den Barmener See ein.

von Achim Schumacher - Naturfotografie Achim Schumacher

Der Barmener See bietet aufgrund seiner Beschaffenheit und seiner umgebenden Biotope einer Vielzahl von Tierarten passende Lebensräume. Der Wasserkörper an sich stellt natürlich den größten Anziehungspunkt dar, besonders für Wasservögel. Neben dauerhaft vorkommenden Enten- und Gänsearten wie Stockente, Reiherente, Graugans sowie den „Neubürgern“ Nil- und Kanadagans bietet die Wasserfläche besonders im Winter rastenden Arten wie Tafel-, Schnatter- und Krickente sowie Nonnen-, Saat- und Blässgänsen einen wichtigen Lebensrum. Neben diesen Arten kann man auch ganzjährig Höckerschwäne, Bläss- und Teichrallen, Haubentaucher, Kormorane und verschiedene rastende Möwenarten auf dem See entdecken. Im Winter kann man mit etwas Glück die Gänsesäger oder Silberreiher beobachten. Relativ häufig hören, aber manchmal auch sehen kann den wohl buntesten Bewohner des Bereichs, den Eisvogel. Meist sitzt er auf einer Ansitzwarte über dem Wasser und hält nach kleinen Fischen, Fröschen und Libellenlarven Ausschau. In den letzten Jahren gab es aber auch immer wieder sehr spannende und seltene Gäste am See. So konnten Seeadler, Fischadler, Nachtreiher und Polarbirkenzeisige nachgewiesen werden.

Ein wichtiger Bereich ist die Insel mitten im Barmener See, da sie seit vielen Jahren einer Graureiherkolonie als Brutplatz dient. Bei der letzten Zählung konnten dort fast 50 Nester festgestellt werden, von denen ein Großteil besetzt ist. Auch brüten dort viele andere Wasservögel, da ihnen Insel Schutz nicht nur vor den Menschen, sondern auch vor den Fressfeinden wie Füchsen bietet.

Neben den gefiederten Bewohnern des Sees lebt auch wieder unser größtes heimisches Nagetier am Barmener See. Der Biber hat sich inzwischen wieder etabliert und seine Nagespuren werden besonders in der kalten Jahreszeit gut sichtbar. Da er streng dämmerungs- und nachtaktiv ist, kann man ihn persönlich eher zur Dämmerung zu Gesicht bekommen. An der nahe gelegenen Rur kann auch schon einmal das Nutria oder die Bisamratte vorbeischwimmen. Ein weiteres am Wasser lebendes Säugetier ist der Iltis, der am Uferbereich nach Amphibien jagt, aber durch seine scheue und versteckte Lebensweise nur selten beobachtet wird.

In den Uferbereichen rund um den Barmener See tummeln sich viele Liebellenarten wie Vierfleck, Plattbauch, Großer Blaupfeil, Königslibelle oder die Blaugrüne Mosaikjungfer. Gerade in den warmen Sommermonaten kann man sie überall entdecken. Aber auch eine Vielzahl von Kleinlibellen wie Adonisjungfern, Azurjungfern, Granataugen oder Pechlibellen sind zum Glück noch häufig vertreten. In den Blühstreifen im Uferbereich leben aber auch noch einige weitere Insektenarten, wie Bienen, Hummeln, Käfer, Fliegen, Schmetterlinge oder auch einige Spinnenarten. Daher ist es wichtig, dass diese Streifen erhalten bleiben.

In der angrenzenden Ruraue oder den kleinen Auwaldbereichen am Haus Overbach gibt es noch größere Pappelbestände. In diesen Waldbereichen hört man den außergewöhnlichen Gesang des Pirols. Auch der Waldkauz, der Grünspecht, der Mittelspecht und die Hohltaube finden hier noch geeignete Lebensräume vor. Im Waldsaum an den Randbereichen, besonders da, wo Brombeeren oder andere Sträucher stehen, lassen sich Schwarzkehlchen, Nachtigall, Mönchsgrasmücke und Grauschnäpper beobachten.

Es zeigt sich also, dass das Mosaik aus vielen verschiedenen Lebensräumen mit dem zentralen Seebereich vielen Arten einen vielfältigen Lebensraum mit Rückzugsmöglichkeiten bietet. Daher ist es wichtig, dass einige Bereiche auch dem Naturschutz vorbehalten bleiben und Ruhezonen bieten. Auf dem guten Wanderwegenetz lassen sich aber die meisten Arten auch gut beobachten und die Natur hautnah erleben.

Seit dem Jahre 1970 bewirtschaftet der Angelsportverein den Barmener See mit großer Sorgfalt und Verantwortung. Was heute als idyllische See- und Uferlandschaft erscheint, ist das Ergebnis jahrzehntelanger aktiver Pflege durch den Verein.

Der Barmener See ist ein komplexer Lebensraum für zahlreiche aquatisch lebende Tiere und Pflanzen. Neben Reptilien, Amphibien, Krebsen, Mollusken und Insekten beherbergt er eine Vielzahl einheimischer Fischarten. Zu den häufigsten Friedfischen zählen Rotaugen, Rotfedern, Brassen, Döbel, Schleien und Karpfen. Zu den im See vertretenen Raubfischen gehören neben dem Zander, dem Wappentier des Angelsportverein Barmen / Broich e.V., die Arten Aal, Barsch, Hecht und Wels. Barsche und Welse kommen in einer sehr großen Anzahl im See vor und bei den Welsen sind Exemplare über 2 Meter Länge keine Seltenheit.

Durch die jährlich mehrfach in den See eintretenden Rur-Hochwässer, gelangen immer wieder weitere Gattungen und Arten aus dem gesamten oberhalb gelegenen Rur-Einzugsgebiet in den See. Durch die permanente Verbindung mit der Rur über den Seeauslauf, können Lebewesen aber auch bei normalem Wasserstand immer ungehindert Ein- und Auswandern.

Aktiver Naturschutz durch den Angelsportverein

Der Angelsportverein engagiert sich weit über das Angeln hinaus für den Schutz der Natur. Im Rahmen von regelmäßigen, für Mitglieder verpflichtenden Arbeitseinsätzen werden Uferbereiche bepflanzt, Rundwege freigehalten damit Besucher nicht willkürlich neue Trampelpfade eröffnen, Bäume vor Biberverbiss geschützt und wiederkehrend große Mengen Müll von weniger naturverbundenen Gästen entfernt. Diese Maßnahmen tragen wesentlich zur Erhaltung des natürlichen Lebensraumes bei.

Auch der Fischbestand wird sorgfältig überwacht. Besatzmaßnahmen erfolgen ausschließlich in enger Abstimmung mit der Oberen Fischereibehörde bei der Bezirksregierung und den Biologen des Rheinischen Fischereiverbandes und orientieren sich an ökologischen Richtlinien. Dabei werden gezielt auch seltene und gefährdete Fischarten wie z.B. das Moderlieschen eingesetzt, die eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht spielen – selbst, wenn sie aus fischereilicher Sicht weniger relevant sind, insbesondere unsere Eisvögel wissen es im Winter sehr zu schätzen.

Angeln mit Verantwortung

Angeln ist kein bloßes Freizeitvergnügen, Angeln bedeutet Hege und Pflege, eine verantwortungsvolle Tätigkeit im Dienste der Natur. Deshalb ist das Angeln in unserem Land nur nach erfolgreichem Abschluss eines Lehrgangs mit staatlich anerkannter Prüfung erlaubt. Während dieser Ausbildung lernen angehende Angler alles über unsere Fischarten, Gewässerökologie und Fischhege, Natur- und Tierschutz, sowie den gesetzlichen Vorgaben.

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