Pressemitteilungen
Notfälle erkennen und richtig handeln
Melanie Thielemann (r.)
Foto: S. Johnen / ZieL.media
Jülicher Gesundheitsstunde gibt viele wertvolle Hinweise
Medizinische Notfälle kommen meist ohne Vorwarnung. Umso wichtiger ist es, schnell zu handeln – und damit Leben zu retten. Und doch stecken wir Menschen oft in einer Zwickmühle: Wir erkennen zwar den Ernst der Lage, wollen eigentlich reagieren, werden aber nervös und haben Angst, etwas falsch zu machen. Und warum sollten gerade wir helfen, wenn doch so viele andere Menschen da sind? „Geben Sie sich einen Ruck, werden Sie aktiv, sprechen Sie andere Menschen an und verteilen Sie Aufgaben“, gab Notfallmedizinerin Dr. Sabine Tack den Besucherinnen und Besuchern der Jülicher Gesundheitsstunde mit auf den Weg. Die beliebte Vortragsreihe ist eine Kooperation des Krankenhauses Jülich und der AOK.
Was ist ein Notfall und wie erkennt man ihn? Antworten auf diese Fragen lieferte Dr. Sabine Tack, Chefärztin der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin. Sie erklärte, welche Akutsituationen es gibt, welche Symptome jeder (er‑)kennen sollte. Auch wer selbst Erste Hilfe einleitet, sollte stets den Notruf wählen und weitere Hilfe dazu holen. „Keine Angst vor dem Anruf – die Rettungsleitstelle führt Sie Schritt für Schritt durch das Gespräch. Sie müssen keine medizinische Diagnose liefern. Beschreiben Sie, was Sie vorgefunden haben“, nahm Dr. Sabine Tack mögliche Unsicherheiten.
Symptome, die jeder kennen sollte
Ein Herzinfarkt lässt sich an folgenden Symptomen erkennen: starke Brustschmerzen, Druck‑/Engegefühl im Brustraum, Schmerzen in Arm, Schulter oder Kiefer sowie kalter Schweiß, Blässe und Übelkeit. Bitte den Notruf wählen! Mit dem sogenannten FAST-Test lässt sich ein Schlaganfall erkennen – F (Face, Gesicht): Hängt ein Mundwinkel herunter? A (Arms, Arme): Kann die Person noch beide Arme heben? S (Speech, Sprache): Spricht die Person deutlich? T (Time, Zeit): Sofort einen Notruf absetzen! Je länger gewartet wird, desto mehr Folgeschäden können bleiben. Es besteht sofortiger Handlungsbedarf.
Eine schwere allergische Reaktion lässt sich an Hautausschlag, Schwellungen im Gesicht, Atemnot, einer angeschwollenen Zunge und Kreislaufproblemen erkennen. „Wir sprechen hier nicht über eine große Rötung am Tag nach dem Mückenstich“, erklärte die Chefärztin. Schwere Reaktionen würden meist innerhalb von 15 Minuten nach Stichen, der Einnahme von Medikamenten oder dem Verzehr von Nahrungsmitteln auftreten. Ist den Betroffenen die Allergie bekannt, hätten sie oft Notfallmedikamente dabei, die verabreicht werden müssen. In jedem Fall die 112 wählen und die Betroffenen nicht allein lassen.
Eine Unterzuckerung kann jeden treffen, nicht nur Diabetiker. Anzeichen sind Zittern, Schwitzen, Heißhunger oder Verwirrtheit. Sind die Personen ansprechbar, sollten sofort zuckerhaltige Getränke oder Traubenzucker gegeben werden. Droht Bewusstlosigkeit oder ist die Person nicht mehr ansprechbar, muss sofort der Notruf gewählt werden. Bei einem Krampfanfall sind unkontrollierte Muskelzuckungen, Bewusstseinsverlust und eine Verkrampfung des Körpers die Symptome. Wichtig: Personen nicht festhalten, keine Gegenstände in den Mund stecken. Stattdessen die Umgebung sichern, damit Verletzungen verhindert werden. Nach dem Anfall die Atmung kontrollieren. Auch hier sollte der Notruf gewählt werden. Ein hochroter Kopf, Schweißausbrüche, ein rasendes Herz? Hier könnte sich ein Hitzschlag abzeichnen. „Schalten Sie sofort einen Gang runter“, betonte die Medizinerin. Ausreichend Flüssigkeit (kein Alkohol!), ein kühleres Fußbad oder ein Kühlakku im Nacken verschaffen Linderung. Im schlimmsten Fall drohen Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit: ein Fall für den Notruf.
Klare Regeln in der Notaufnahme
Einen Einblick in die Akutversorgung lieferte Melanie Thielemann, pflegerische Leitung der Zentralen Notaufnahme. „Wir haben klare Regeln: Die Arbeit ist nach Dringlichkeit organisiert, die lebensbedrohlich Erkrankten werden zuerst versorgt“, erklärte die Referentin, warum ein Besuch der Notaufnahme mit Wartezeiten verbunden sein kann, wenn die eigene Lage nicht ganz so dramatisch ist. Patientinnen und Patienten werden anhand der Schwere der Krankheit oder der Verletzung eingestuft. Diese Einstufung („Triage“) geschieht auch bei allen Menschen, die mit dem Rettungswagen eingeliefert werden. Sie ist gesetzlich vorgeschrieben. Jeder Stufe ist auch ein zeitlicher Handlungsbedarf zugeordnet: Von „null Minuten“ im akuten Notfall bis 120 Minuten.
Krankenhaus Jülich: https://www.krankenhaus-juelich.de/
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Melanie Thielemann (r.)
Foto: S. Johnen / ZieL.media
Jülicher Gesundheitsstunde gibt viele wertvolle Hinweise
Medizinische Notfälle kommen meist ohne Vorwarnung. Umso wichtiger ist es, schnell zu handeln – und damit Leben zu retten. Und doch stecken wir Menschen oft in einer Zwickmühle: Wir erkennen zwar den Ernst der Lage, wollen eigentlich reagieren, werden aber nervös und haben Angst, etwas falsch zu machen. Und warum sollten gerade wir helfen, wenn doch so viele andere Menschen da sind? „Geben Sie sich einen Ruck, werden Sie aktiv, sprechen Sie andere Menschen an und verteilen Sie Aufgaben“, gab Notfallmedizinerin Dr. Sabine Tack den Besucherinnen und Besuchern der Jülicher Gesundheitsstunde mit auf den Weg. Die beliebte Vortragsreihe ist eine Kooperation des Krankenhauses Jülich und der AOK.
Was ist ein Notfall und wie erkennt man ihn? Antworten auf diese Fragen lieferte Dr. Sabine Tack, Chefärztin der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin. Sie erklärte, welche Akutsituationen es gibt, welche Symptome jeder (er‑)kennen sollte. Auch wer selbst Erste Hilfe einleitet, sollte stets den Notruf wählen und weitere Hilfe dazu holen. „Keine Angst vor dem Anruf – die Rettungsleitstelle führt Sie Schritt für Schritt durch das Gespräch. Sie müssen keine medizinische Diagnose liefern. Beschreiben Sie, was Sie vorgefunden haben“, nahm Dr. Sabine Tack mögliche Unsicherheiten.
Symptome, die jeder kennen sollte
Ein Herzinfarkt lässt sich an folgenden Symptomen erkennen: starke Brustschmerzen, Druck‑/Engegefühl im Brustraum, Schmerzen in Arm, Schulter oder Kiefer sowie kalter Schweiß, Blässe und Übelkeit. Bitte den Notruf wählen! Mit dem sogenannten FAST-Test lässt sich ein Schlaganfall erkennen – F (Face, Gesicht): Hängt ein Mundwinkel herunter? A (Arms, Arme): Kann die Person noch beide Arme heben? S (Speech, Sprache): Spricht die Person deutlich? T (Time, Zeit): Sofort einen Notruf absetzen! Je länger gewartet wird, desto mehr Folgeschäden können bleiben. Es besteht sofortiger Handlungsbedarf.
Eine schwere allergische Reaktion lässt sich an Hautausschlag, Schwellungen im Gesicht, Atemnot, einer angeschwollenen Zunge und Kreislaufproblemen erkennen. „Wir sprechen hier nicht über eine große Rötung am Tag nach dem Mückenstich“, erklärte die Chefärztin. Schwere Reaktionen würden meist innerhalb von 15 Minuten nach Stichen, der Einnahme von Medikamenten oder dem Verzehr von Nahrungsmitteln auftreten. Ist den Betroffenen die Allergie bekannt, hätten sie oft Notfallmedikamente dabei, die verabreicht werden müssen. In jedem Fall die 112 wählen und die Betroffenen nicht allein lassen.
Eine Unterzuckerung kann jeden treffen, nicht nur Diabetiker. Anzeichen sind Zittern, Schwitzen, Heißhunger oder Verwirrtheit. Sind die Personen ansprechbar, sollten sofort zuckerhaltige Getränke oder Traubenzucker gegeben werden. Droht Bewusstlosigkeit oder ist die Person nicht mehr ansprechbar, muss sofort der Notruf gewählt werden. Bei einem Krampfanfall sind unkontrollierte Muskelzuckungen, Bewusstseinsverlust und eine Verkrampfung des Körpers die Symptome. Wichtig: Personen nicht festhalten, keine Gegenstände in den Mund stecken. Stattdessen die Umgebung sichern, damit Verletzungen verhindert werden. Nach dem Anfall die Atmung kontrollieren. Auch hier sollte der Notruf gewählt werden. Ein hochroter Kopf, Schweißausbrüche, ein rasendes Herz? Hier könnte sich ein Hitzschlag abzeichnen. „Schalten Sie sofort einen Gang runter“, betonte die Medizinerin. Ausreichend Flüssigkeit (kein Alkohol!), ein kühleres Fußbad oder ein Kühlakku im Nacken verschaffen Linderung. Im schlimmsten Fall drohen Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit: ein Fall für den Notruf.
Klare Regeln in der Notaufnahme
Einen Einblick in die Akutversorgung lieferte Melanie Thielemann, pflegerische Leitung der Zentralen Notaufnahme. „Wir haben klare Regeln: Die Arbeit ist nach Dringlichkeit organisiert, die lebensbedrohlich Erkrankten werden zuerst versorgt“, erklärte die Referentin, warum ein Besuch der Notaufnahme mit Wartezeiten verbunden sein kann, wenn die eigene Lage nicht ganz so dramatisch ist. Patientinnen und Patienten werden anhand der Schwere der Krankheit oder der Verletzung eingestuft. Diese Einstufung („Triage“) geschieht auch bei allen Menschen, die mit dem Rettungswagen eingeliefert werden. Sie ist gesetzlich vorgeschrieben. Jeder Stufe ist auch ein zeitlicher Handlungsbedarf zugeordnet: Von „null Minuten“ im akuten Notfall bis 120 Minuten.
Krankenhaus Jülich: https://www.krankenhaus-juelich.de/
